Mehrheit der jungen Deutschen gegen Influencer-Werbung für ungesunde Lebensmittel

Laut einer neuen Umfrage befürworten 57 Prozent der 14- bis 25-Jährigen in Deutschland eine Einschränkung von Werbeaktionen durch Influencer für ungesunde Snacks. Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht schärferen Regulierungsbedarf bei Lebensmitteln mit übermäßig viel Zucker, Salz oder Fett.

heute 01:02 Uhr | 1 mal gelesen

Überraschend klare Haltung bei Jugendlichen

Wer hätte gedacht, dass knapp sechs von zehn jungen Leuten von TikTok bis Instagram ein Verbot von Influencer-Werbung für Junkfood unterstützen? Wahrscheinlich spielen da mehrere Faktoren rein: Bewusstsein für Ernährung, vielleicht aber auch die schiere Überforderung von ständig neuen Produktplatzierungen auf dem Smartphone.

Verbraucherschützer fordern strengere Regeln

Die Umfrage stammt vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), erhoben vom 4. bis 12. Oktober unter 547 jungen Menschen. Der Tenor von VZBV-Vorständin Ramona Pop - und das kann ich persönlich nachvollziehen: Jugendliche lassen sich oft leichter beeindrucken, besonders wenn Influencer in ihrem Feed statt Zielgruppen-lästiger Werbesprüche persönliche Storys und Alltagsdetails erzählen.

Werbekennzeichnung als Feigenblatt?

Laut den Ergebnissen finden sich 87 Prozent der Befragten in der Lage, Werbung in sozialen Medien zu erkennen. Aber was bringt das? Fast die Hälfte hat dennoch schon mindestens einmal ein von Influencern beworbenes Produkt gekauft. Offenbar hebelt Social-Media-Werbung, wenn sie clever und nahbar rüberkommt, klassische Abwehrmechanismen aus. Übertrieben gesagt: Die Banane erkennt man, aber man greift trotzdem zur Schokolade, weil der Lieblings-Youtuber sie feiert.

Gezielte Regulierung, offene Baustellen

Der Verband will das Problem an der Wurzel packen: Ein vollständiges Verbot für Influencer-Marketing bei Süßem, Salzigem oder Fettigem, das die WHO-Kriterien für Kindergesundheit nicht erfüllt – eingeschränkt auf junge Zielgruppen. Politisch betrachtet stellt sich damit die Frage, wie weit sich so ein Bann tatsächlich kontrollieren und durchsetzen lässt, zumal Plattformen und Influencer nicht selten international agieren. Außerdem: Die 547 Befragten sind nur ein Ausschnitt, aber ihre Haltung ist ziemlich deutlich. Vielleicht ist sogar ein Generationenbruch in Sicht, was die Mechanismen digitaler Konsumlenkung angeht – oder ist das zu optimistisch gedacht?

Junge Menschen sehen Risiken und fordern Reglementierung

Mehr als die Hälfte der befragten 14- bis 25-Jährigen in Deutschland spricht sich in einer repräsentativen Erhebung für ein Werbeverbot aus, das Influencer beim Bewerben ungesunder Produkte einschränkt. Zwar erkennen fast neun von zehn Jugendliche Social-Media-Werbung, dennoch sind persönliche Empfehlungen durch Influencer – die subtil in Routinen und Lebensgeschichten verwoben werden – besonders wirkungsvoll.

Politische Debatte: Balance zwischen Schutz und Eigenverantwortung

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Politik in der Pflicht, gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um Kinder und Jugendliche besser vor manipulativen Werbeformen im Netz zu schützen. Dabei soll die WHO-Definition für ungesunde Lebensmittel als Grundlage dienen; die Umsetzung wirft allerdings Fragen zu Kontrollmechanismen, internationaler Reichweite digitaler Kampagnen und Praxistauglichkeit auf.

Weitere Fakten und Ergänzungen

Aktuelle Debatten zu digitalem Jugendschutz sowie geplante Änderungen im Werberecht zeigen, dass das Thema zunehmend politisch diskutiert wird. Den Ergebnissen zufolge kann ein einfaches Kennzeichnungssystem die Wirkung von Authentizitäts-Marketing nicht aushebeln. Junge Nutzer wünschen sich einen stärkeren Schutz – und sind gleichzeitig Teil eines sehr dynamischen Medienwandels; das macht durchgreifende Regeln umso dringlicher.

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