Nach China-Besuch: Steinmeier hofft auf Dialog im Handelsstreit

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht nach seiner Reise nach China einen vorsichtigen Hoffnungsschimmer für den Wirtschaftsdialog. Berichte über geplante Friedensgespräche zur Ukraine zwischen China, Russland und den USA werden von ihm hingegen klar zurückgewiesen.

01.11.26 09:59 Uhr | 3 mal gelesen

Erste Eindrücke: Zaghafte Annäherung im Handelskonflikt?

Gleich nach seiner Rückkehr aus China äußerte sich Frank-Walter Steinmeier auffallend vorsichtig optimistisch: Es gebe wieder Spielraum für Gespräche im festgefahrenen Handelsstreit zwischen Europa und Peking. Überraschend? Vielleicht – jedenfalls betonte Steinmeier, Präsident Xi habe die „Bedenken Europas“ zum Dauerbrenner-Thema Ungleichgewichte ernsthaft zur Kenntnis genommen und zeige Offenheit für weitere Diskussionsrunden.

Keine Lust auf Handelskrieg

Schon merkwürdig, wie oft in diesen Tagen von "Dialog auf Augenhöhe" und „gemeinsamen Lösungen“ gesprochen wird. Steinmeier sagte wörtlich – als ob er sich selber noch mal versichern müsste: „Wir haben kein Interesse an einem Handelskrieg, sondern wir suchen Lösungen im Dialog.“ Da klingt durch: Die Berührungsängste gegenüber Konfrontation sind nach wie vor riesig; zu eng verflochten sind die wirtschaftlichen Beziehungen.

Verwirrung um Ukraine-Verhandlungen

Kurzer Themenwechsel – macht ja jeder Mensch mal. Zu den Gerüchten, China, Russland und die USA würden sich heimlich an einen Tisch setzen, um den Ukraine-Krieg zu besprechen, winkte Steinmeier ab: Was da kolportiert wurde, entbehre jeder Grundlage. Xi Jinping, so der Bundespräsident, habe ihm bestätigt, dass es keinerlei Vorbereitungen dafür gäbe.

EU nicht außen vor – bei allem Gerangel

Allerdings, und das ist eigentlich eine interessante Nuance: Xi signalisierte nach Darstellung Steinmeiers, dass eine europäische Beteiligung an künftigen Lösungsansätzen unverzichtbar wäre. Dürfte ein Wink an den Westen und ein klares Signal gegen Hinterzimmerdeals sein. Kleine Randnotiz – so ein Gipfeltreffen am Rande der APEC in Shenzhen zwischen USA, Russland und China mag ja für Smalltalk taugen, aber die Ukraine? Nein, darum werde es bei besagtem Termin laut Steinmeier definitiv nicht gehen.

Was der Streit in Zahlen bedeutet

Man kann lang und breit über diplomatische Gesten reden. Aber unterm Strich zeigt ein Blick auf die Handelsstatistik, wo’s wirklich klemmt: Im Jahr 2025 lag das deutsche Handelsdefizit mit China laut Statistischem Bundesamt bei sage und schreibe rund 90 Milliarden Euro. Wer hätte gedacht, dass chinesische Waren im Wert von 170 Milliarden Euro nach Deutschland strömen, aber in die Gegenrichtung nur 81,3 Milliarden Euro deutsche Exporte gehen?

Dialog? Ja. Durchbruch? Fraglich.

Fest steht: Der Draht zwischen Berlin, Brüssel und Peking muss offen bleiben, schon allein aus wirtschaftlichen Gründen. Doch bloßes gegenseitiges Zuhören und höfliches Kopfnicken bringen kaum konkrete Fortschritte – weder beim Marktzugang noch bei Subventionen oder Exportquoten. Auch bei der Ukraine bleibt Skepsis angebracht; Steinmeier plädiert zwar für Europas Mitsprache, aber konkrete Ergebnisse? Fehlanzeige, zumindest bisher.

Kurz gesagt: Hoffnung, aber keine Wunder

Steinmeier sieht nach seinem China-Besuch vorsichtige Chancen für einen besseren Handelsdialog, verweist aber auf die weiterhin gravierenden Ungleichheiten. Gespräche sind ein Anfang, lösen aber nicht die strukturellen Probleme wie Überkapazitäten und fehlenden Marktzugang. Die wirtschaftlichen Abhängigkeiten zwischen Deutschland und China bleiben ein potenzieller Stolperstein – nach wie vor fehlt eine echte Vision für gerechtere Handelsbeziehungen.

Update: Was neue Quellen berichten

Neue Berichte (u.a. in der FAZ und auf Zeit Online) zeigen, dass Steinmeier mit seinem Optimismus eher allein steht: Viele Experten warnen vor einer zu naiven Annäherung an Peking und fordern, die Zusammenarbeit stärker an Bedingungen zu knüpfen.
China ließ derweil in eigenen Staatsmedien verlauten, dass die Beziehung zu Europa weiter als „strategische Partnerschaft“ betrachtet werde, pochte aber zugleich erneut auf Gleichberechtigung und politische Unabhängigkeit.
Im Hintergrund wird die EU-intern geführte Debatte über mögliche Importzölle auf chinesische E-Autos immer schärfer. Ein unmittelbarer Durchbruch ist laut Einschätzungen aus Brüssel auf absehbare Zeit unwahrscheinlich; stattdessen könnten punktuelle Zugeständnisse an ausgewählten Branchen folgen.

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