rbb 88.8 steht offenbar vor einem echten Wechsel – nicht von Null auf Hundert, aber spürbar neu gedacht. Programmchefin Karen Schmied bringt es auf den Punkt: Sie versteht den Sender als ‘Radio-Wohnzimmer’, in das man heimkommen kann. Die vertrauten Stimmen bleiben, doch die Verantwortlichen blicken auch nach vorn: Hits aus vier Jahrzehnten, Geschichten aus Berlin und das Versprechen, nah an der Lebenswirklichkeit der Hörer:innen zu senden. Neu: In der Drivetime läuft jetzt "Hallo Berlin" mit Alexander Schurig, und am Abend nimmt "Guten Abend Berlin" die wichtigsten Themen auf und lässt auch mal die Meinungen Hochkochen. Früher hieß es noch "Wir wünschen Ihnen…", jetzt spricht man Hörer:innen mit einem lockereren "euch" an. Das klingt nicht nur trendig, sondern zieht das Publikum vielleicht sogar näher ran – ein Versuch, aus der Masse herauszustechen.
Die Musik ist kuratiert wie eine gute Berliner Playlist: Montags Smoothies für die Ohren, dienstags ein Rundumblick auf vergangene Musikjahre, mittwochs deutsche Songs, donnerstags Rockiges, freitags Party zum Start ins Wochenende – alles ab 20 Uhr. Reporter:innen berichten direkt aus den Bezirken. Das mag zwar jetzt nicht wie die ganz große Revolution klingen, aber es ist bemerkenswert, wie konsequent hier auf persönlichen Bezug zu Alltag und Stadtgefühl gesetzt wird. Auch das Sounddesign wurde aufgefrischt, um nicht altbacken zu wirken. Wichtig: Die Redaktion will weiterhin erreichbar und offen bleiben, Hörer:innen sollen sich einbringen, nicht nur zuhören. Ein Rundfunkangebot der kurzen Wege, falls es so etwas im digitalen Zeitalter überhaupt noch gibt.
rbb 88.8 setzt zum Neustart an und will mit einem frischeren Profil gezielt jüngere und urbane Zielgruppen ansprechen. Der Sender wechselt auf das 'Du', bringt eine breitere Musikauswahl – von den 1980ern bis in die Gegenwart – und stärkt die Nähe zur Lebensrealität in Berlin, indem Themen aus den Kiezen hervorgehoben werden und die wichtigsten Informationen des Tages kompakt präsentiert werden. Hintergrund der Neuausrichtung sind veränderte Hörgewohnheiten und Mediennutzung, was beispielsweise in anderen öffentlich-rechtlichen Sendern ebenfalls zu Veränderungen führt: So setzt der NDR laut taz stärker auf regionale Inhalte und Podcasts, während der Bayerische Rundfunk auf Spotify-Playlists und Social Media erweitert hat (Quelle: taz.de). Nach einer Kurzanalyse von DW verbleibt Radio gerade in Metropolen wie Berlin am Leben, obwohl Podcasts und Streaming wachsen, weil es Gemeinschaft schafft und Orientierung gibt. Zudem zeigt eine aktuelle Medienstudie auf spiegel.de, dass lokale Inhalte weiterhin ein wichtiger Anker sind, gerade wenn Menschen in Großstädten nach Identifikation suchen.