Maarten Jan Oskam, der Geschäftsführer von Primagas, bringt es zugespitzt auf den Punkt: "Wärme muss praktikabel und bezahlbar bleiben" – und genau das werde mit dem aktuellen Reformkurs intendiert. Er begrüßt spürbaren Abbau übermäßiger Bürokratie, den Verzicht auf zusätzliche Beratungspflichten und das Vertrauen in technologieoffene Lösungen. Immobilienbesitzer sollen flexibler mit Fachleuten zusammenarbeiten können, anstatt an starren Vorgaben zu scheitern.
Insbesondere für entlegene Gegenden, in denen Strom- oder Wärmenetze oft ein Traum bleiben, eröffnet biogenes Flüssiggas neue Wege. Futuria Propan – das laut Primagas aus nachwachsenden Rohstoffen oder organischen Reststoffen gewonnen wird – kann dort genutzt werden, wo alternative Energieformen aus baulichen oder wirtschaftlichen Gründen keine Chance sehen. Es ist eine Art heimlicher Held, vor allem außerhalb der Ballungszentren: leistbar, zukunftsfähig und vergleichsweise einfach einzuführen.
Ein weiteres Element: Die sogenannte "Bio-Treppe", eine Art Stufenmodell. Sie sieht vor, dass erneuerbare Energien in kleinen, realistisch erreichbaren Schritten gesteigert werden. Für Haushalte, die bereits mit Flüssiggas arbeiten, ist das kein Hexenwerk – herkömmliches und biogenes Flüssiggas sind chemisch identisch und können in denselben Heizsystemen genutzt werden. Man kann also langsam den Anteil des grüneren Futuria Propan erhöhen, ohne gleich die komplette Heiztechnik über Bord werfen zu müssen.
Die geplante Grüngasquote beansprucht künftig nicht mehr allein die Hausbesitzer, sondern verlagert ein Stück Verantwortung auf die Versorger selbst. Dadurch wird gewährleistet, dass auch Bestandsanlagen nach und nach grüner werden, ohne alle Eigentümer mit oft kaum stemmbaren Investitionen zu überfahren. Oskam unterstreicht: "Futuria Propan steht bereit – flexibel, unabhängig vom Netz, und tauglich für jede künftige Gesetzesänderung."
Kritische Punkte gibt es trotzdem, etwa bei den Emissionsfaktoren: Der deutsche Ansatz werde den tatsächlichen CO₂-Einsparungen von biogenem Flüssiggas nicht gerecht. Zum Beispiel liegt der Wert hierzulande mit 80 gCO2/kWh deutlich höher als in Irland (nur 17,28). Eine Angleichung nach unten, so Primagas, wäre sinnvoll – anderenfalls könnten Verbraucher wie Branche die im Gesetz versprochenen Spielräume nicht wirklich nutzen.
Zusätzlichen Zündstoff sieht Primagas bei der sogenannten Länderöffnungsklausel. Sie hält das Risiko bereit, dass jedes Bundesland eigene Regeln schafft, sodass statt Klarheit und Einfachheit nur ein weiteres Regeldickicht entsteht. Das würde vermutlich genau jene Menschen belasten, für die das GModG eigentlich gedacht ist.
Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) stößt bei Experten wie Primagas auf grundsätzliche Zustimmung, weil es bürokratische Hürden abbaut und technologieoffene Lösungen für die Wärmewende insbesondere im ländlichen Raum schafft. Besonders spannend ist die Berücksichtigung von biogenem Flüssiggas wie Futuria Propan, das eine Übergangsoption für Regionen ohne Anschluss an zentrale Netze bietet und schrittweise grüner werden kann. Doch es gibt Kritik an zu hoch angesetzten Emissionswerten und der Gefahr eines Regelflickenteppichs durch Landes-Ausnahmen, was Verbraucher und Umsetzer gleichermaßen verunsichert.
Aktuelle Recherchen zeigen, dass die Bundesregierung die Debatte um das GModG intensiv fortführt; laut Süddeutscher Zeitung und FAZ geht es besonders um die Balance zwischen Klimazielen und Umsetzbarkeit für die breite Bevölkerung. Ein Kompromiss zwischen nachhaltiger Modernisierung und sozialer Ausgewogenheit ist derzeit noch nicht gefunden, wie mehrere Stimmen aus Expertenkreisen warnen. Auch wird auf europäischer Ebene das Thema grüne Brennstoffe und deren tatsächliche Klimabilanz kontrovers diskutiert: Da die unterschiedlichen Berechnungsmethoden zu sehr abweichenden Werten führen, drängen immer mehr Akteure auf international vergleichbare Standards.