Ajay Banga, amtierender Präsident der Weltbank, und die Chefin der Welthandelsorganisation, Ngozi Okonjo-Iweala, gehören ab sofort zum neuen Nord-Süd-Beratungskreis der Bundesrepublik Deutschland. Nach dem morgendlichen Blitzlichtgewitter werden Kanzler Olaf Scholz und Laura Chinchilla Miranda, Ex-Präsidentin Costa Ricas, das Panel in der Hauptstadt erstmals präsentieren.
Ein Kollektiv der multiplen Stimmen
Mit zum Team stoßen unter anderem DRK-Präsident Hermann Gröhe und Mark Greene, der mit Erfahrung aus der US-Entwicklungshilfe (USAID) und als Chef von ONE internationales Gewicht mitbringt. Wer sonst noch dazugehört, bleibt bis zur Berliner Mittagsstunde ein gut gehütetes Geheimnis, wird aber bei einem Presse-Event gelüftet.
Im Brennglas: Globale Zusammenarbeit und deutsche Interessen
Neben Vorstellungen der Köpfe hinter dem Gremium rücken in der Auftaktrunde Arbeitsmethoden, Tempo und Ziele ins Scheinwerferlicht. Die Kommission, im Koalitionsvertrag als Leuchtturmprojekt geplant, hat das Mandat, die neue deutsche Nord-Süd-Politik mit Strategie und Partnerschaften aufzupolieren. Die Fäden im Hintergrund zieht Henrik Maihack, bislang Afrika-Referatsleiter bei der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Rückbesinnung auf Brandts Vision
Die Gründung erinnert nicht zufällig an die legendäre Brandt-Kommission von 1980. Schon damals war die Zeit reif, die Belange des globalen Südens lauter in Richtung der Industriestaaten zu tragen und die finanzielle Kluft zwischen Entwicklungs- und Rüstungsausgaben kritisch zu hinterfragen.
Heute scheint die Aufbruchsstimmung gemischt mit Realismus: Wo früher Entwicklungshilfe das zentrale Bindeglied war, will die neue Kommission wirtschaftliche Ausrichtung, Handelsregeln, Finanzierung und Stabilität ganzheitlich beleuchten. Der Mix aus internationaler Expertise, NGO-Praxis und Politik verspricht eine breite Perspektive.
Weichenstellung für das Miteinander
Ob die Kommission Deutschlands Rolle wirklich neu definiert oder an alten Pfaden schleift? Das hängt davon ab, wie messerscharf sie aus Arbeitsziel und historischer Lehre Handlungsempfehlungen formt – und ob diese am Ende in wirklich spürbare Außen- und Entwicklungspolitik münden. In Berlin fällt nun der Startschuss für diesen Balanceakt zwischen globaler Ambition und bundesdeutschem Pragmatismus.