Neustart bei der Bundesbank: SAP Fioneer gestaltet Zahlungsplattform um

Die Deutsche Bundesbank gibt ihrer Zahlungsinfrastruktur ein komplett neues Fundament. Die Umsetzung übernimmt SAP Fioneer, die eigenständige Bankensparte aus dem SAP-Kosmos.

heute 15:59 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal muss sogar das, was als unerschütterliches Rückgrat einer Organisation gilt, irgendwann erneuert werden. Genau das steht der Deutschen Bundesbank bevor: Im Rahmen des Projekts mit dem beinahe heroisch klingenden Namen „Arena“ hat sich die Bank entschieden, ihr zentrales Bankensystem – Herzstück für sämtliche Zahlungsabwicklungen – gegen ein neues Modell von SAP Fioneer auszutauschen.

SAP Fioneer: Neuer Spieler, alte Wurzeln

Die Meldung wurde vor kurzem auf dem EU-Ausschreibungsportal publik und ließ Fachkreise aufhorchen, vor allem weil der Zuschlag an SAP Fioneer – ein recht junger und dennoch vertrauter Name – ging. Nicht nur die Summe dieses Deals bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, auch zum Zeitplan halten die Verantwortlichen sich vornehm zurück. Trotzdem: Die Tragweite des Vorhabens ist erheblich, schließlich betrifft es nicht nur ein paar Schreibtische, sondern die gesamte Architektur des Zahlungsverkehrs im Land.

Wie SAP Fioneer entstand

Ein kleiner Exkurs: SAP, der Tech-Titan aus Walldorf, lagerte 2021 sein Bankensoftware-Geschäft in die Tochter SAP Fioneer aus. Für frisches Kapital sorgte damals der Investor Dediq – mit beeindruckenden 500 Millionen Euro auf dem Tisch und dem Löwenanteil von 80 Prozent im Gepäck. Verständlich, dass viele Bankhäuser erst einmal die Stirn runzelten: Nicht jeder mochte die neue Unabhängigkeit sofort als Vorteil erkennen, gerade weil hinter Fioneer nicht mehr direkt der stabile Mutterkonzern stand. Die Angst vor einem schnellen Weiterverkauf schwirrte förmlich durch den Raum.

Vertrauen will (wieder) wachsen

SAP-Fioneer-Chef Matthias Tomann bemühte sich, die Bedenken zu zerstreuen. Er beteuerte öffentlich – zum Beispiel im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ – dass es keinerlei Verkaufspläne gibt: Man arbeite mit langem Atem, denke maximal über einen Börsengang in fernerer Zukunft nach und bleibe eng verzahnt mit SAP. An eine rasche Trennung glaube er selbst nicht.

Für die Bundesbank ist die Sache hochsensibel. Die Modernisierung betrifft nicht nur die Inneneinrichtung, sondern die technische Grundlage für alles, was mit Zahlungen, Konten und internen Prozessen zu tun hat. Da werden jahrzehntealte Systeme ersetzt – hier tickt vieles noch analog, das aber mit größtmöglicher Sicherheit und Zuverlässigkeit. Die Risiken? Enorm. Fehler oder Ausfälle in der Migrationsphase wären, vorsichtig gesagt, ein Albtraum.

Weit mehr als ein IT-Projekt

SAP Fioneer bekommt mit diesem Auftrag die vielleicht wichtigste Bühne seit seiner Gründung. Die Bundesbank als Referenzkunde ist ein Türöffner, aber auch ein Prüfstein für die Belastbarkeit, Innovationskraft und Beständigkeit des Unternehmens. Und: Pläne für einen Börsengang sind zwar angedeutet, doch im Hier und Heute soll Fioneer schlicht erst einmal liefern – und unter Beweis stellen, dass das eigene System auch mächtige Institutionen verlässlich tragen kann.

Was hinter dem Projekt steckt

Die Bundesbank nimmt mit dem Wechsel zu SAP Fioneer einen bedeutenden Technologiesprung vor – mit Risiken, aber auch Chancen, ihre Rolle als Schaltzentrale des Zahlungsverkehrs zu stärken. Auffällig ist das große Vertrauen, das in eine vergleichsweise junge Tech-Firma gesetzt wird, die aber über die SAP-Connection auf reichlich Erfahrungspolster zurückgreifen kann.

Erweiterte Einordnung und aktuelle Entwicklungen

Neuere Medienberichte (u.a. die FAZ und der „Spiegel“) weisen darauf hin, dass viele Banken und IT-Sicherheitsbeauftragte in Deutschland eine Modernisierung ihrer bisher oft veralteten Infrastrukturen als dringend notwendig ansehen, um gegen zunehmende Cyber-Bedrohungen gewappnet zu sein. Zudem betonen IT-Analysten, wie wichtig eine reibungslose Übergangsphase ist, da ein Digitalisierungsvorhaben in dieser Dimension ein immenses Projektrisiko für Reputation und Zuverlässigkeit der Bundesbank bedeutet. Auch wurde erwähnt, dass SAP Fioneer weltweit bereits für mehrere Banken Systeme migriert oder betreibt – wobei das Bundesbank-Projekt, allein schon wegen seiner Systemrelevanz, als besonders prestige- und richtungsweisend gilt.

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