Berlin und die involvierten Partnerländer stehen offenbar kurz davor, ihren Hut aus dem Ring zu nehmen, was die Olympiabewerbung für Deutschland betrifft. Der Berliner Olympiabeauftragte Kaweh Niroomand, das Stadtoberhaupt Kai Wegner (CDU) und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) wollen sich laut Berichten kurzfristig zusammensetzen, um über einen sofortigen Ausstieg aus dem Bewerbungsprozess zu beraten.
Negatives DOSB-Gutachten und politischer Rückenwind für Gegner
Hauptgrund: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) stellte ein eindeutiges Urteil aus – Berlin landete mit 74,6 Punkten auf dem letzten Platz unter den Bewerbern. Zusätzlich bringt der jüngste Wahlausgang Dynamik in die Debatte: Die Linke, Siegerin bei der Berlin-Wahl, sieht unter Elif Eralp Olympia in der Hauptstadt kritisch.
München und KölnRheinRuhr vorne
München und der Ballungsraum KölnRheinRuhr erhielten im DOSB-Gutachten deutlich bessere Noten (87 bzw. 85 Punkte) und gelten jetzt als Favoriten für eine mögliche Ausrichtung. Bewertet wurden nicht nur das internationale Standing und die Akzeptanz hierzulande, sondern auch Aspekte wie Finanzierung, langfristiger Mehrwert und spezielle Infrastrukturpläne.
Zukunft der Berliner Bewerbung unklar
Mitten im Gerangel um politische Mehrheiten und die Zukunft der Hauptstadt gibt es für die Bewerbung aus Berlin+ (gemeinsam mit Brandenburg, MV und Sachsen) immer weniger Rückenwind. Die Unterstützung, die einst im Berliner Parlament beschlossen wurde, könnte bald Makulatur sein, falls die neue Regierung die Karten neu mischt. Das alles könnte weitreichende Folgen für die Planungen – bis zur DOSB-Entscheidung am 26. September – haben.
Möglicher Rückzug: Signalwirkung und offene Baustellen
Sollte Berlin den Stecker ziehen, würden nur noch zwei Bewerber um die innerdeutsche Olympia-Ausrichtung ringen. Das hätte nicht nur sportlich, sondern auch für die regionale Zusammenarbeit und Infrastrukturprojekte einschneidende Auswirkungen. Gleichzeitig ringen auch im politischen Berlin die Lager: Während Befürworter in einer Olympia-Bewerbung viele Chancen sehen (modernisierte Infrastruktur, Prestige), verweisen Kritiker auf Kosten, soziale Brennpunkte und politische Stolperfallen.
Ringen um die Zukunft bleibt
Ob Berlin bis zur DOSB-Abstimmung zurückzieht oder sich unerwartet doch noch aufbäumt, ist aktuell offen. In jedem Fall scheint eine bedeutsame Zäsur mit vielen Detailfragen und neuen Fronten für die Hauptstadt bevorzustehen.