Es klingt paradox: Immer weniger Menschen haben im letzten Jahr nach Hustenmitteln verlangt, dafür steigt der Griff zu Vitaminen und Mineralstoffen umso deutlicher. Laut BPI-OTC-Report wurden 941 Millionen rezeptfreie Arzneimittelpackungen 2025 über Apotheken und deren Versand verkauft. Die Top-Seller sind nach wie vor Erkältungsprodukte, gefolgt von Vitaminen/Mineralstoffen, Schmerz- und Muskelpräparaten, Mitteln gegen Verdauungsprobleme und Hauterkrankungen. "Für uns ist die Präsenz vor Ort das A und O – über drei Viertel aller Packungen gehen direkt aus der Offizin an die Kundschaft", betont Dr. Kai Joachimsen vom BPI.
Ein paar Zahlen: Die Pharmaindustrie in Deutschland beschäftigt über 130.000 Menschen. Von rund 670 Unternehmen sind 83 Prozent zumindest teilweise im rezeptfreien Sektor aktiv. 2025 wurden mit OTC-Präparaten 11,5 Milliarden Euro umgesetzt – ein Zuwachs von 2,6 Prozent.
Doch das Jahr verlief nicht in allen Segmenten gleich: Husten- und Erkältungspräparate machen nach wie vor ein Drittel des Marktes aus, aber eine milde Infektionssaison drückte den Absatz: minus 3,2 Prozent in Apotheken und Versand. Interessanterweise sank der Umsatz im Mass Market nur um 1,6 Prozent. Vitamine und Mineralien hingegen konnten um satte 7,5 Prozent zulegen; das deckt sich auch mit dem allgemeinen Gesundheits- und Langlebigkeits-Hype. Insgesamt war der OTC-Absatz mit minus 1 Prozent leicht rückläufig, wobei die Offizin hier stärker betroffen war als der Versandhandel.
"Das OTC-Geschäft schwankt sichtbar – mal Licht, mal Schatten. Aber die Stärke der Apotheken vor Ort bleibt, selbst wenn dezentral gekauft wird. Besonders Vitamine und Mineralien laufen zur Höchstform auf. Offenbar prägt der Longevity-Trend die Nachfrage spürbar", kommentiert Anja Klauke vom BPI.
Unterm Strich blieb der Umsatz der Vor-Ort-Apotheken im OTC-Geschäft stabil auf Wachstumskurs, während der Absatz (Packungen) leicht nachließ. Online- und Versandapotheken dagegen konnten in beiden Kategorien weiter zulegen.
Die komplette Studie "OTC-Daten 2026" mit Grafiken und Details gibt es kostenfrei beim BPI.
Der Markt für rezeptfreie Medikamente (OTC) befindet sich in Deutschland weiterhin auf Wachstumskurs, auch wenn die Entwicklung je nach Produktgruppe deutliche Unterschiede zeigt. Nachdem die Erkältungssaison im Herbst 2025 ungewöhnlich mild verlief, verzeichneten Hersteller von Husten- und Erkältungspräparaten ein Minus im Verkauf, wohingegen Vitamine und Mineralstoffe boomen und einen Umsatzzuwachs von 7,5 % erzielten. Händler und Hersteller beobachten, dass der Wunsch nach mehr Gesundheit und Prävention, der sogenannte 'Longevity'-Trend, die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln treibt; gleichzeitig profitieren Online- und Versandapotheken überdurchschnittlich vom veränderten Kaufverhalten. Ergänzend dazu ist die Diskussion um Apothekenhonorare und die Sorge vor einem Fachkräftemangel branchenweit weiter präsent. In Politik und Öffentlichkeit wird außerdem zunehmend darüber gesprochen, wie verlässlich Gesundheitsinformationen rund um Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich sind. Auch hat eine aktuelle taz-Analyse das wachsende Marktvolumen für pflanzliche Präparate hervorgehoben, während laut FAZ die Preisentwicklung bei rezeptfreien Medikamenten seit Ende 2023 ins Stocken geraten ist. Statista zufolge steht Deutschland beim OTC-Umsatz weiterhin an der europäischen Spitze.