Pflegeversicherung: Schnitzer fordert Milliardenhilfe – aber nicht für alle

Monika Schnitzer, die Chefin der Wirtschaftsweisen, fordert sechs Milliarden Euro Staatshilfe für coronabedingte Pflegekosten – aber mahnt auch klare Kürzungen bei wenig gezielten Leistungen an. Einen pauschalen Deckel für alle Eigenbeiträge in Pflegeheimen lehnt sie ab.

heute 13:52 Uhr | 2 mal gelesen

Kaum jemand spricht so direkt über die Pflegeversicherung wie Monika Schnitzer – nüchtern, aber unbequem. Sie fordert kurzfristig eine staatliche Finanzspritze in Höhe von sechs Milliarden Euro. Im Hintergrund: Die Pflegeversicherung taumelt, die Gefahr steigender Beiträge bis 2027 ist real, und die Kassen können sich die pandemiebedingten Mehrausgaben nicht länger schönrechnen.

Bundesmittel: Viele gewinnen, irgendwo verliert man

Schnitzers Vorschlag, der Bund solle die noch offenen Corona-Kosten übernehmen, birgt allerdings einen Haken: Wo Geld verteilt wird, fehlt es an anderer Stelle. Würden diese Milliarden aus dem Bundeshaushalt fließen, entstünde ein neues Defizit, das anderweitig ausgeglichen werden müsste. Kurzum: Man schiebt das Problem eher weiter, als dass man es löst.

Privatversicherung? Systemumbau – nichts für heute und morgen

Der Ruf nach der privaten Pflegeversicherung oder Änderungen bei Beamten bleibt zwar im Raum, Schnitzer winkt jedoch ab: Für eine schnelle Entlastung taugt das nichts. Wer darauf setzt, muss sich auf langwierige Systemdebatten einlassen – eher Zukunftsmusik.

Pauschaler Eigenanteil? Nicht solidarisch genug

Was Schnitzer aber partout nicht will: Einen pauschalen Deckel der Eigenanteile in Pflegeheimen. Sie sieht die Gefahr, dass Menschen mit hohem Einkommen profitieren, während die Allgemeinheit bezahlt. In ihren Augen würde gezielte Hilfe mehr bringen als Gießkanne.

Leistungskürzungen – bitter, aber (vielleicht) notwendig

Hier wird’s für viele ungemütlich: Einige Leistungen sollen gestrichen, andere begrenzt werden – Leistungszuschläge und Entlastungsbeträge stehen zur Debatte. Schnitzer argumentiert, dass die Ausgaben seit 2017 ungebremst gewachsen sind. Der demografische Wandel legt noch eins drauf – immer mehr Pflegebedürftige bei stagnierenden Einnahmen, das zieht niemand mehr easy durch.

Spagat: Jetzt retten oder grundsätzlich reformieren?

Zu retten gibt es einiges, doch wie? Einerseits brauchen die Pflegekassen jetzt Geld, andererseits muss überlegt werden, was eigentlich noch gesichert werden kann. Der kurzfristige Finanzbedarf – 2027 wird eine immense Lücke erwartet – trifft die Grundsatzfrage, wie solidarisch und großzügig die Pflegeversicherung der Zukunft sein soll. Scheibchenweise Bundeshilfen lösen das Problem eben nur auf Zeit; echte Reformen würden den Zugang zu Leistungen und die Kostenbeteiligung grundsätzlich regeln müssen.

Presseschau: Viel Konsens, viele offene Baustellen

n-tv sieht die Kassen am finanziellen Abgrund, ein Defizit von 4,4 Milliarden Euro droht schon in wenigen Monaten. Genauso wie bei Schnitzer wird hier der Zeitdruck deutlich, aber die Frage nach dem richtigen Weg bleibt offen. tagesschau wirft einen Blick auf den politischen Streit um Eigenanteile und den berühmten „Pflegedeckel“ – kein Ansatz überzeugt alle, klar ist nur: Niemand kommt ohne Reform davon. Medienübergreifend herrscht Einigkeit über das brennende Problem, weniger aber über die richtige Medizin dagegen.

Kerngedanken der geforderten Reformen

Schnitzer schlägt vor, dass der Bund kurzfristig sechs Milliarden Euro für pandemiebedingte Pflegekosten bereitstellt, um einen drohenden Beitragsanstieg 2027 abzumildern.

Skepsis gegenüber rein pauschalen Entlastungen

Sie spricht sich entschieden gegen eine pauschale Deckelung der Eigenanteile in Pflegeheimen aus, da dies auch Wohlhabende entlasten würde – gezieltere Hilfen seien sinnvoller.

Herausforderungen durch wachsende Ausgaben und Überalterung

Angesichts des demografischen Wandels und rasant steigender Kosten müsse auch über Einsparungen und eine Strukturreform, etwa für Entlastungsbeträge und Leistungszuschläge, nachgedacht werden.

Weitere aktuelle Entwicklungen und Perspektiven

Aus verschiedenen aktuellen Artikeln ergibt sich, dass der Druck auf die Politik und Kassen enorm zugenommen hat: Die Spiegel-Redaktion berichtet, dass die Finanzierungslücke bei der Pflegeversicherung bis Jahresende noch größer als bisher angenommen ist und die Diskussion über angemessene Steuerzuschüsse und Leistungsgrenzen an Schärfe gewinnt. Auf Zeit Online wird hervorgehoben, dass die Uneinigkeit in der Ampel-Koalition eine schnelle Lösung erschwert und sowohl kurzfristige Hilfen als auch nachhaltige Strukturänderungen dringend gebraucht werden. Laut FAZ.net empfiehlt ein Teil der Expertinnen und Experten, die Zuschüsse stärker auf Bedürftige zu konzentrieren und die Beitragsstabilität nicht auf Kosten kommender Generationen auszuhöhlen.

Schlagwort aus diesem Artikel