Manchmal geraten Geschichten durch seltsame Zufälle ins Rampenlicht. Die Near-Future-Serie „Wake Up“, ein Auftragswerk des ZDF und produziert von U5 Filmproduktion, erwischt einen genau dort: Zwischen Koma, Schuld und kleinen Maschinen, die man eher in Science-Fiction-Romanen vermuten würde. Im Mittelpunkt steht Clara (Alicia von Rittberg): Nach einem Skiunfall ist sie seit Jahren nicht mehr wirklich da – außer eben für ihre Schwester Emilia (Luna Jordan), die sich hartnäckig an der Schuldfrage abarbeitet und beinahe darin verlorengeht. Das Ganze nimmt eine skurrile Wendung, als die Wissenschaftlerin Hevi Abdel (Aybi Era) ihre Nanobot-Studie ins Spiel bringt und plötzlich Emilias Identität durch einen unerklärlichen „Switch“ mit Hevi verquirlt wird.
Bemerkenswert, wie persönlich die Beziehung der Geschwister inszeniert wird – dabei driftet die Serie immer wieder ins Philosophische ab, ohne die Wucht des eigenen Erzählens zu verlieren. Regie führten Mia Maariel Meyer und Tim Trachte, hinter den Drehbüchern steckt ein breites Kreativteam. Besonders tragisch: Nur kurz nach der Juryentscheidung wurde bekannt, dass Luna Jordan verstorben ist. Ihre Darstellung in „Wake Up“ sei, so die Jury, eine der zentralen Säulen dieser Produktion.
Jury-Mitglied Alexis von Wittgenstein fand klare Worte: „Große Fragen der Ethik, technische Möglichkeiten, moralische Grenzen – und das alles in einer so engen Beziehungsgeschichte verhandelt. Das kriegt man selten so dicht unter einen Hut.“ Die Sorgfalt in der Auswahl des Casts und der Crew zog sich demnach spürbar durch den gesamten Prozess und hebt die Serie aus der Masse hervor.
Seit 1996 wird der Bernd Burgemeister Fernsehpreis im Rahmen des Filmfest München vergeben – seit 2022 auch für Serienformate. Das Preisgeld von 25.000 Euro pro Kategorie kommt von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF). Übrigens: Für Hintergründe und Updates lohnt ein Blick in die Kommunikationskanäle des ZDF.
„Wake Up“ greift den immer aktuellen Konflikt zwischen technologischer Innovation und ihren ethischen Implikationen auf und lädt das Ganze mit sehr persönlichen Fragen nach Schuld, Verantwortung und Hoffnung auf – das ist die Mischung, die offenbar überzeugt hat. Wie aktuelle Besprechungen zeigen, stieß die Serie nicht nur bei der Jury auf Resonanz, sondern sorgte auch bei Publikum und Medien für Diskussionen über die Auswirkungen moderner Wissenschaft auf zwischenmenschliche Beziehungen: Die Spiegel-Kritik hebt besonders die Darstellung der Grenzen von Wissenschaft, Identität und Familie hervor. Nach Recherchen auf taz.de und zeit.de haben die Themen Tech-Ethik und Familiendynamik nach Luna Jordans plötzlichem Tod eine neue Tragik und Dringlichkeit erhalten, was „Wake Up“ einen besonderen Platz im aktuellen Serienkanon verschafft.