Ratenkäufe im Internet: Steigende Beliebtheit birgt Risiken

Immer öfter werden teure Online-Einkäufe in monatlichen Raten abgestottert – gerade bei Menschen mit geringem Einkommen ist dieser Trend besonders auffällig. Eine aktuelle Verivox-Umfrage zeigt, dass finanzielle Engpässe und bequeme Zahlungsoptionen zusammenwirken. Verbraucherschützer warnen: Wer nicht aufpasst, landet schneller in der Schuldenspirale, als einem lieb ist.

heute 13:42 Uhr | 2 mal gelesen

Es ist eigentlich kurios: Einkaufen auf Raten war früher so ein Möbelhaus-Ding, heute betrifft es uns alle bei jeder zweiten digitalen Anmeldung. Laut einer neuen Umfrage für Verivox greift inzwischen jeder Siebte lieber zum Ratenmodell, wenn es um 1.000 Euro für einen Onlinekauf geht.

Starker Anstieg im Vergleich zum Vorjahr

Letztes Jahr waren es noch nur etwa 9 Prozent – in nur einem Jahr ist das ein ziemlicher Sprung. Für die Erhebung hat man mehr als 1.000 Menschen zwischen 18 und 79 befragt, also quer durch die Gesellschaft geschaut.

Der Geschäftsführer von Verivox, Oliver Maier, erkennt einen klaren Trend: Längst ist es nicht mehr peinlich, sich die neue Waschmaschine oder das Handy in kleinen Häppchen leisten zu wollen. Besonders Menschen mit kleinerem Einkommen setzen auf diese Option: Für sie ist es oft die einzige Brücke, wenn das Sparschwein leer ist.

Finanzielle Spielräume und die Abwärtsspirale

Fast ein Viertel der Befragten mit weniger als 2000 Euro im Monat würde größere Summen auf Raten zahlen. Verständlich ist das schon: Die monatlichen Belastungen wirken harmlos – bis plötzlich mehrere Zahlungen zusammenkommen.

Gerade bei Haushalten, wo jeder Cent verplant ist, kann eine plötzliche Anschaffung wie eine Lawine wirken. So werden kleine Schulden schnell immer größer, wenn man die Übersicht verliert oder mit neuen Kosten überfordert ist.

Alarmstufe Rot bei Verbraucherschützern

Verbraucherschutzverbände schlagen längst Alarm: Die Verlockung an der Kasse, nur den kleinen Raten zuzustimmen, ist groß – das böse Erwachen kommt oft später. Und davor schützt auch keine neue EU-Richtlinie, die ab November mehr Transparenz und Bonitätsprüfungen bei Ratenkrediten vorschreibt.

Solche Regelungen verlangen dann unter anderem eine verbindliche Einschätzung der Kreditwürdigkeit. In der Praxis bedeutet das: Mehr Papierkram, mehr Absagen – aber auch ein Fünkchen mehr Schutz für Konsumenten vor sich selbst. Doch letztlich bleibt das Zentralproblem: Wer mehrere Verträge parallel laufen hat, bekommt die monatlichen Kosten oft gar nicht mehr übereinander, bis plötzlich gar nichts mehr geht.

Zwischen Anreiz und Risiko: Was wirklich zählt

Noch ein Gedanke: Ratenzahlung verführt dazu, größere Investitionen aufzuschieben – die Gesamtkosten steigen durch Zinsen und Gebühren, und die eigentliche Belastung verteilt sich nur scheinbar. Das Kleingedruckte darf man nicht aus den Augen verlieren. Am Ende zählt, ob die lange Kreditlaufzeit und die Gesamtkosten wirklich ins eigene Budget passen. Denn ein genehmigter Ratenkauf kann trotzdem das finanzielle Gleichgewicht durcheinanderbringen, speziell in Haushalten mit mehreren laufenden Verpflichtungen.

Die Entwicklung, dass immer mehr Menschen auf Ratenzahlungen bei teuren Onlinekäufen setzen, zeigt, wie viel Unsicherheit mittlerweile in deutschen Haushalten steckt. Während neue EU-Vorgaben ab November strengere Bonitätsprüfungen verlangen und die Transparenz erhöhen sollen, wächst die Sorge vor Überschuldung, insbesondere bei jenen, die ohnehin knapp kalkulieren müssen. Neue Artikel der letzten 48 Stunden berichten, dass neben der Inflation und steigenden Lebenshaltungskosten auch die fortschreitende Digitalisierung des Handels dazu beiträgt, dass Konsumentinnen und Konsumenten vermehrt zu vermeintlich bequemen Finanzierungsmodellen greifen; Verbraucherschützer fordern deshalb eine noch schärfere Aufklärung über Risiken und zusätzliche gesetzliche Schranken.

  • „Die Angebotsvielfalt bei Ratenkäufen wächst, doch die Verschuldung nimmt zu – auch weil viele Verbraucher das Kleingedruckte übersehen“, resümiert taz in einem Hintergrundbericht zu Konsum- und Verschuldungstrends dieser Woche ( Quelle: taz ).
  • Die Süddeutsche beschreibt, dass sich nicht nur die Händler auf Bonitätsprüfungen einstellen müssen, sondern viele Kunden mit negativen Schufa-Einträgen von Finanzierungsangeboten künftig ausgeschlossen sein könnten, was neuen sozialen Zündstoff birgt ( Quelle: Süddeutsche ).
  • Auf Spiegel.de wird hervorgehoben, dass es speziell für jüngere Nutzer in der Konsumfalle leicht zum Teufelskreis werden kann – schnelle Lieferungen und flexible Bezahlmodelle fördern eine Kultur des Sofortkaufs, die langfristige finanzielle Stabilität aufs Spiel setzt ( Quelle: Spiegel ).

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