Russische Spione: Ukraine meldet Hunderte Geheimdienstakteure in Europa

Laut dem ukrainischen Auslandsgeheimdienst agieren aktuell mindestens 366 russische Agenten in europäischen Ländern. Der Vizechef Oleh Luhovskyi sieht eine wachsende Gefahr durch Sabotageakte, hält aber einen baldigen militärischen Übergriff auf das Baltikum für unwahrscheinlich.

heute 12:22 Uhr | 2 mal gelesen

366 russische Geheimdienstler – das klingt fast schon wie eine Zahl aus einem Spionageroman, doch laut Angaben der ukrainischen Dienste ist dies bittere Realität. Mindestens diese Zahl russischer Agenten sollen aktuell quer durch Europa aktiv sein. Manche von ihnen verbergen sich hinter diplomatischer Tarnung, andere geben sich weniger Mühe.

Bedrohung nimmt zu

Oleh Luhovskyi, Vizechef des ukrainischen Auslandsgeheimdienstes, schilderte es dem „Spiegel“ so: Die Anzahl der verdeckten Aktionen – Sabotage, Cyberspionage, Desinformation – steige. Abschreckung durch Konsulats-Schließungen und Ausweisungen zeige offenbar wenig Wirkung. Im Gegenteil, Moskau scheint sich davon nur zum Umdenken, nicht aber zum Rückzug veranlasst zu sehen.

Sabotage im Fokus

Luhovskyi verweist auf den Drohnenangriff am Flughafen Leipzig im August – ein Vorfall, der nicht nur symbolisch/medial für Aufsehen sorgte, sondern auch die Anfälligkeit kritischer Infrastrukturen offenlegte. Gerade diese Art von hybriden Angriffen ist es, die europäischen Staaten Sorgen bereitet. Klassische Spionage ist das eine, aber gezielte Manipulation an Flughäfen, Stromnetzen, Kommunikationssystemen öffnet Tür und Tor für größeres Chaos.

Eskalationsangst, aber keine Panik

Was die Sorge vor einer unmittelbaren militärischen Offensive auf die baltischen Staaten angeht, gibt Luhovskyi leichte Entwarnung: Es fehlen die typischen Truppenbewegungen. Es herrscht Gefahr, ja – aber vorrangig unterhalb der Schwelle eines klassischen Krieges. Die Ukrainer halten sich da, trotz alarmierender Zahlen, an nüchtern-pragmatische Einschätzungen.

Unsichtbare Bedrohung, diffuse Zeiten

Für die Sicherheitsbehörden besteht die Herausforderung darin, zwischen gewöhnlicher Kriminalität und gezielter Sabotage im Auftrag des Kreml zu unterscheiden – die Übergänge bleiben oft verschwommen. Die Zahl 366 steht denn auch mehr für die Bandbreite der Bedrohung als für die exakte Größe eines einzigen gegnerischen Netzwerks. Es ist ein Flickenteppich aus Tarnidentitäten, Schattenfirmen und unauffälligen Kontaktleuten.

Sicherheitsmaßnahmen und Politik

Europäische Regierungen reagieren mit verschärften Kontrollen, besserem Informationsaustausch und gezielten Ausweisungen – doch die russischen Methoden passen sich längst an. Auch nach Ausweisung diplomatischer Vertreter bleibt das Problem, weil längst neue Wege über Geschäftsmänner, Söldner oder Cybertools gesucht werden. Mit all dem einher geht die politische Gratwanderung: Wann ist eine Attacke Krieg, wann nur eine Provokation?

Keine Alarmstufe Rot

Spionage, verdeckte Einflussnahme und Sabotage sind aktuell das Hauptproblem – nicht eine unmittelbar bevorstehende Invasion. Luhovskyi sieht aktuell vor allem die Gefahr, dass Europa sich von all den Störaktionen verunsichern lässt und auf übertriebene Reaktionen hereinfällt.

Widerstand gegen russische Spionage

Aktuell schätzt der ukrainische Geheimdienst, dass mindestens 366 russische Agenten in ganz Europa verdeckt tätig sind – ein Teil davon getarnt als Diplomaten, viele aber auch ohne offiziellen Status. Besonders im Fokus stehen dabei hybride Angriffe: Von Sabotage bis Desinformation reicht das – der jüngste Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig wirft ein grelles Licht auf die Angreifbarkeit kritischer Infrastruktur.

Europas Antwort auf die Herausforderung

Trotz wiederholter Ausweisungen russischer Diplomaten bleibt die Spionage ein akutes Problem, denn arbeitsfähige Netzwerke passen sich laufend an. Die politischen Reaktionen oszillieren zwischen verstärkter Abschreckung und der Angst, eine Eskalation herbeizuführen.

Aktuelle Entwicklungen und weitere Stimmen

Wie die „FAZ“ jüngst berichtet, investieren etliche EU-Länder gezielt in Abwehrmaßnahmen gegen russische Cyber- und Informationsangriffe, doch Experten warnen vor falscher Sicherheit: Die Täter wechseln Mittel und Zielorte ständig (Quelle: FAZ). In der „Zeit“ schildern Sicherheitspolitiker, wie europäische Nachrichtendienste ihre Kooperation verstärken, um russischer Einflussnahme kollektiv zu begegnen (Quelle: Zeit). Parallel zieht sich nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ der Schattenkampf durch alle Lebensbereiche, vom Energiesektor bis zu Medienhäusern, und zwingt Behörden zu wachsender Wachsamkeit (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

Schlagwort aus diesem Artikel