Sechs Tiger aus sächsischem Privatzoo befreit – AAP fordert strengere Wildtiergesetze in Deutschland

Dresden, Sachsen: In alten Zirkuswagen auf einem Industriehof fristeten sechs Tiger ihr Dasein – geboren, aufgewachsen und schließlich beschlagnahmt, weil die Haltung gegen das Gesetz verstieß. Nun wartet auf die Tiere ein artgerechtes Zuhause in einer spanischen AAP-Tierstation, mit großzügigem Außengehege und endlich echter Wildtierwürde. Es ist die größte und aufwendigste Tigerrettung der Organisation in Deutschland, ein weiteres Beispiel für die Probleme laxer Wildtier-Gesetze.

01.07.26 18:10 Uhr | 2 mal gelesen

Die sechs Tiger, darunter fünf Jungtiere im Teenager-Alter und ihre Mutter, lebten bislang auf engstem Raum in einer sächsischen Privatanlage – alles andere als ein würdiger Ort für Raubkatzen. Im Zuge einer Kontrolle wurde klar: Mehrere gesetzliche Vorgaben zur artgerechten Haltung von Wildtieren waren missachtet worden. Die Situation wurde für die Tiere unhaltbar, Tierschützer und Behörden schrien auf – zack, Beschlagnahmung. Klingt einfach, war es aber nicht: Gerade die Mutter bekam Ärger wegen fehlender Artenschutzdokumente, eine bürokratische Hürde, die illegalen Wildtierhandel verhindern soll. Jetzt beginnen die Tiger, versorgt von AAP, ihr erstes echtes Wildtierleben mit Sonne, nassem Fell und 3.000 entspannenden Quadratmetern – eine Fläche, wie sie in deutschen Zwingern kaum vorkommt. Vorschrift in Deutschland wären für solche Gruppen nur 600 Quadratmeter. Die Tiger bekommen tierärztliche Betreuung, neue Umgebung, für manche vielleicht zum ersten Mal überhaupt Gras unter den Tatzen. Natürlich kostet das alles: Pro Tag verschlingt die Versorgung über 600 Euro. Wer spendet, macht also tatsächlich einen Unterschied. Carina Heinrich, Landestierschutzbeauftragte, sparte nicht mit Lob und forderte zugleich: Es müsse schnell Regeln geben, die private Tigerhaltung vernünftig und einheitlich begrenzen. Dass sowas dringend nötig ist, zeigt schon der aktuelle Fall – denn in Sachsen (wie in den meisten Bundesländern) ist private Tigerhaltung grundsätzlich noch erlaubt! Die zwei letzten Tiger aus der Anlage sind übrigens vorerst geblieben. Hier laufen noch rechtliche Prüfungen, aber AAP steht schon bereit. Im größeren Bild: Immer wieder tauchen solche Einzelfälle auf, weil halbklare Gesetzeslagen Tierschutz oft nachrangig behandeln. AAP fordert deshalb eine Positivliste für Heimtiere – also ein klares Register, welche Tierarten überhaupt privat gehalten werden dürfen. Nur was auf der Liste steht, bleibt erlaubt. Andernfalls würden – wie in Teilen Europas schon umgesetzt – große Raubtiere bald kein Thema für Hobby-Zoologen mehr sein. Die Diskussion läuft mittlerweile sogar auf EU-Ebene.

Sechs Tiger aus einer sächsischen Privathaltung konnten von Behörden in Kooperation mit der Tierschutzorganisation AAP beschlagnahmt und in deren spanische Auffangstation gebracht werden. Der Fall lenkt den Blick auf strukturelle Lücken im deutschen Wildtierschutzrecht: Private Haltung von gefährlichen Wildtieren wie Tigern wird bislang unzureichend reguliert, bundesweit existieren keine einheitlichen Vorgaben und Kontrollmechanismen. In mehreren Medien wurde in den letzten 48 Stunden über weiter wachsende Probleme mit illegalen Wildtierhaltungen und politische Debatten um bundesweite Positivlisten berichtet: Dabei betonen Experten, dass Fälle wie der in Sachsen nicht isoliert sind, sondern Symptom eines nationalen Regelungsdefizits – ähnlich äußerten sich die Sprecher von AAP und mehrere Landespolitiker, die anmahnen, dass EU-weite Lösungen allein nicht reichen und Bund und Länder aktiv werden müssen. Laut SPIEGEL, ZEIT und Süddeutscher Zeitung stehen Bund und Länder wegen mehrerer aktueller Missstände unter Druck, schärfere Gesetze zum Wildtierschutz und zur Haltung exotischer Tiere auf den Weg zu bringen. In einem Interview auf Deutschland.de äußerte sich eine Tierärztin kritisch zum wachsenden Schwarzmarkt sowie der Unwissenheit vieler privater Halter, wodurch die Verantwortlichen in den Behörden immer häufiger an Grenzen stoßen.

Schlagwort aus diesem Artikel