Poker um das höchste Staatsamt
Manchmal nehmen politische Findungskommissionen die Züge einer Familientherapie an. So wirkt es zumindest, wenn Friedrich Merz am Sonntag seine CDU-Riege zu einem überraschungsoffenen Dinner ins Konrad-Adenauer-Haus bittet, um – wieder einmal – die Frage nach der nächsten Bundespräsidentin auszuloten.
Gemischte Gefühle und Folgetermine
Einige Präsidiumsmitglieder haben den Termin mittlerweile bestätigt, doch wie einst in den beliebten Sonntagskrimis: Kaum ist ein Treffen vorbei, ist schon das nächste angesetzt. Am Montag steht bereits die nächste Runde bevor; dann soll sogar der CDU-Bundesvorstand zum Thema befragt werden. Mal ehrlich, Politik ist eben manchmal mühsam.
Unverbindliche Mitte
Merz wirft zwar das Stichwort 'politische Mitte' in den Raum, doch einen Namen? Kein Wort dazu. Offenbar drückt er sich vor einer zu schnellen Festlegung – wahrscheinlich, um innerparteilichen Stress zu vermeiden.
CSU bleibt standhaft bei Aigner
Anders die CSU, die, wenig zimperlich, weiter auf Ilse Aigner pocht. Dass Merz diesen Vorschlag aufgreifen könnte, sei „nicht ausgeschlossen“, so raunt es aus den Reihen der Konservativen – vorausgesetzt, innerhalb der CDU kippt die Stimmung pro-Aigner.
Dass es um mehr als eine Personalie geht, leuchtet inzwischen wohl jedem ein, der Politik nicht nur aus der Vogelperspektive betrachtet. Schon jetzt wirft das Ende der Steinmeier-Amtszeit 2027 lange Schatten voraus. Merz hat den Fokus auf Frauen gelenkt, aber spielt geschickt auf Zeit, um den Machtkampf unter Kontrolle zu behalten.
Es ist ein Balanceakt – CDU und CSU, zwei Schwestern mit manchmal recht ruppiger Beziehung. Auf der einen Seite Aigner, die für die CSU als bewährte Kapazität im Landtag glänzt. Auf der anderen Seite sucht die CDU noch nach der eigenen Königin – möglichst eine, die parteiübergreifend die Herzen (oder doch wenigstens die Stimmen) gewinnt.
Kartenmischen im Hinterzimmer
Mit Abendessen und Gesprächen will Merz offenbar zuerst für Ruhe im eigenen Laden sorgen – gemeinsam hat man draußen schließlich bessere Karten. Die ultimative Auswahl wird sowieso erst nach dem Schulterschluss mit dem Bundesvorstand und einem Gespräch mit der CSU fallen. Vielleicht gibt es dann sogar eine versöhnliche Umarmung vor den Kameras, man kennt das ja.
Die Entscheidung selbst bleibt Sache der Bundesversammlung, die wie ein großes Schachbrett aus Bundestag und Länder-Delegierten zusammengesetzt ist. Hier zeigt sich: Ohne klare Linie in der Union könnte es chaotisch werden. Wer für das Amt antritt, braucht Mehrheiten, die weit über den Tellerrand der eigenen Partei hinausreichen.
Kurz notiert: Medienstimmen und kleine Gräben
ZDFheute: „Merz will eine Frau“ (02.11.2026)
Hier dominiert die Botschaft: Die CDU soll weiblicher werden, Namen sind aber Mangelware.
Frankfurter Rundschau: „Union zankt um Aigner“ (03.11.2026)
Die FR beleuchtet vor allem das Kräftemessen CDU/CSU um die Personalie Aigner. Ein Ergebnis: Noch ist alles offen, der Ausgang bleibt spannend.
Was bleibt unterm Strich?
Die CDU unter Merz gibt sich fest entschlossen, die nächste Bundespräsidentin zur Frau zu machen, bleibt aber dabei, noch keinen Namen zu nennen. Besonders bemerkenswert: Die CSU hält weiter an Landtagspräsidentin Ilse Aigner fest; ob Merz auf diesen Kurs einschwenkt, ist offen. Eine Entscheidung fällt vermutlich erst nach mehreren Beratungsrunden in engstem Kreis, wobei auch parteiübergreifende Zustimmung wichtig ist.
Weitere Details und aktueller Stand
Laut aktuellen Berichten gab es in den vergangenen Tagen verstärkte Gespräche innerhalb der Union über mögliche Kandidatinnen, wobei neben Ilse Aigner auch Frauen aus dem gesellschaftlichen Bereich und der Wissenschaft als Optionen diskutiert werden, um ein Signal der Öffnung und Modernisierung zu setzen. Beobachter der deutschen Innenpolitik sehen in der aktuellen Lage einen Test für die Geschlossenheit der CDU/CSU und eine Bewährungsprobe für die versprochene Erneuerung unter Friedrich Merz – gerade auch vor dem Hintergrund der nächsten Bundestagswahl. In Brüssel, so heißt es in politischen Kreisen, schaut man mit Interesse auf das Verfahren, da der*die Bundespräsident*in etwa bei Europa- und Verfassungsthemen eine nicht unwichtige Rolle spielen könnte.