Stagnation bei Top-Familienunternehmen: Wirtschaftswende deutet sich an

Nach Jahren des Booms bremsen die 100 größten Familienbetriebe Deutschlands ihr Wachstum abrupt ab.

heute 15:30 Uhr | 3 mal gelesen

Tja, da sieht man mal wieder: Nichts wächst ewig unbeirrt weiter. Inflationsbereinigt sind die Umsätze der größten deutschen Familienunternehmen 2025 um rund zwei Prozent gesunken, ihre Belegschaft ist ebenfalls leicht geschrumpft – etwa ein Prozent weniger Menschen standen dort auf den Lohnlisten. So steht es in einer frischen Untersuchung, auf die sich das ‚Manager Magazin‘ bezieht. Mark Binz, der das Ganze mit seiner Kanzlei betreut hat, klingt beinahe melancholisch: Die letzten Jahre, sagt er, habe man sich wohl im Windschatten des Weltgeschehens davonschleichen können, aber jetzt ist Schluss mit der Einbahnstraße nach oben. Insgesamt kamen diese 100 Unternehmen noch auf beeindruckende 1,61 Billionen Euro Umsatz im Jahr 2025. Speziell die börsennotierten Familienfirmen wie Volkswagen, Schaeffler, Henkel, Aumovio oder Wacker Chemie mussten deutliche Rückgänge hinnehmen: Das operative Ergebnis (Ebit) sackte hier durchschnittlich um satte 27 Prozent ab – das sind schon harte Einschnitte. Überraschend: Während viele straucheln, gelingt es einer kleinen Handvoll doch, sich der Abwärtsdynamik zu entziehen. Die Schwarz Gruppe (zu der Lidl und Kaufland zählen), der Pharmagroßhändler Phoenix und der Gesundheitsriese Fresenius konnten im schwierigen Jahr sogar beim Umsatz und der Belegschaft zulegen. Warum gerade sie? Darüber lässt sich streiten – vielleicht ist es kluge Strategie, vielleicht ein Stück weit Glück.

Der Rückgang bei den Top-Familienunternehmern ist kein isoliertes Ereignis. Viele sehen Gründe vor allem in gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe, zunehmender Bürokratie und geopolitischen Unsicherheiten – Themen, die besonders exportorientierte Mittelständler direkt treffen. Was interessant ist: In der deutschen Wirtschaft fehlt es aktuell vielerorts an Investitionsbereitschaft, was innovative Vorhaben lähmt und Impulse bremst. Die in internationalen Märkten sonst so agilen deutschen Familienunternehmen geraten damit zwischen die Fronten globaler Krisen: Lieferkettenschwierigkeiten, Unsicherheiten in China, schwacher Konsum im Inland. Gleichzeitig zeigen Einzelfälle wie die Schwarz Gruppe, dass hohe Marktdurchdringung, Investitionen in Digitalisierung und Erweiterung ins Ausland Schutz bieten können. Neue Analysen aus dem Juni 2024 warnen außerdem, dass sich der Abstand zwischen erfolgreichen Großunternehmen und dem Gros der Familienbetriebe weiter vergrößern könnte. Insgesamt verlangt die aktuelle Lage von Familienunternehmen mehr Flexibilität – was, das merkt man auch in Interviews, nicht allen Familienunternehmern leicht fällt.

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