Strengere Maßnahmen gegen Social Media: Kinderärzte schlagen Alarm

Angesichts wachsender Risiken durch soziale Medien erhöhen Deutschlands Kinder- und Jugendärzte den Druck auf Politik und Plattform-Betreiber – sie verlangen konsequente Einschränkungen zum Schutz junger Menschen.

heute 09:26 Uhr | 2 mal gelesen

Man sollte meinen, ein medienaffines Land wie Deutschland hätte soziale Medien für Kinder längst vernünftig reguliert – doch weit gefehlt. Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), bringt es auf den Punkt: 'Wir wissen mittlerweile, wie stark Social Media junge Menschen beeinflusst, teilweise wirklich negativ – und trotzdem passiert nicht genug.' Während die Bundesregierung aus Sicht der Kinderärzte noch zaudert, berichten Ärztinnen und Ärzte täglich, wie ungebremst Kinder und Jugendliche von Bildschirmzeit und Online-Plattformen überschwemmt werden. Maske meint, klare Regeln müssten her, inspiriert von Englands Initiativen. Auffällig auch: Die Verantwortung liege bei weitem nicht nur bei der Politik – viele Eltern glänzten durch Wegschauen oder gar Teilhabe am digitalen Dauerdröhnen. 'Wenn ich durchs Wartezimmer gehe: Überall leuchtende Displays und Staunen auf Knopfdruck – oft schon bei den Kleinsten.' Kaum jemand überblicke noch, was auf den Plattformen eigentlich abgeht – etwa bei Spielen wie Roblox, wo Inhalte Jugendliche überfordern können. Der Verband zögert mittlerweile nicht mehr, ein Social-Media-Verbot bis 14 Jahre ins Spiel zu bringen. Aber, so ehrlich muss man sein: Solche Tricks werden von vielen Jugendlichen einfach umgangen. Was hilft es also? 'Ein bisschen Nachbessern an Handy-Einstellungen reicht definitiv nicht', meint Maske. 'Wir brauchen grundlegende, strenge Vorgaben, damit die Plattformen selbst Verantwortung übernehmen.'

Deutschlands Kinder- und Jugendärzte nehmen kein Blatt vor den Mund: Social Media gefährdet die seelische Gesundheit junger Menschen, sagen sie – und fordern von Gesundheitsminister Linnemann endlich konsequente Regelungen. Einfache Lösungen wie Zugangsbeschränkungen halten sie allein nicht für ausreichend, sondern verlangen verpflichtende Maßnahmen für Plattform-Betreiber, um Jugendliche tatsächlich zu schützen. Der Appell an Eltern, aktiver zu werden, bleibt bestehen, doch ohne politische Verantwortung und gesellschaftlichen Wandel wird es wohl kaum gelingen, die Risiken digitaler Mediennutzung nachhaltig einzudämmen. Das Thema Social-Media-Regulierung bewegt aktuell viele Länder: Frankreich prüft ein Mindestalter für Netzwerke, in den USA streiten Bundesstaaten über Handy- und Plattformverbote für Kinder, während in Großbritannien das Online Safety Act Plattformen verpflichtet, junge User besonders zu schützen. In Deutschland gibt es erste Initiativen, doch der Gesetzgebungsprozess läuft schleppend, auch weil Datenschutz- und Meinungsfreiheitsfragen immer mitschwingen. Klar ist: Die wissenschaftliche Debatte über Folgen von Social Media für Heranwachsende hält an – während digitale Angebote und Risiken weiter explodieren und Elternhäuser wie Gesellschaft teils ratlos zurücklassen.

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