Wer braucht noch das große Gehalt?
Ein sicherer Job steht laut einer neuen EY-Studie für Studierende beim Berufseinstieg inzwischen höher im Kurs als ein sattes Anfangsgehalt. Überraschend? Vielleicht nicht, wenn man sich das aktuelle Lebensgefühl der jungen Generation ansieht.
Der neue Wert der Beständigkeit
Im Vergleich zu früheren Befragungen legte der Wunsch nach Stabilität kräftig zu: Schon 52 Prozent nennen Jobsicherheit als maßgebliches Kriterium – zehn Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Erst dahinter rangieren Gehalt und dessen Steigerung (43 Prozent) sowie flexible Arbeitszeiten (41 Prozent).
Sicherheitsgefühl: Geschlechterkontrast
Frauen scheinen besonders sicherheitsorientiert zu sein: Fast jede zweite nennt einen krisenfesten Arbeitsplatz lieber als alles andere, Männer formulieren diesen Wunsch etwas seltener. Außerdem zieht ein Großteil der Befragten – nämlich 77 Prozent – ein traditionelles Angestelltenverhältnis dem Abenteuer Selbstständigkeit vor, was mit dem aktuellen wirtschaftlichen Gegenwind erklärbar ist.
Blick aufs Klima am Arbeitsmarkt
Laut EY-Personalchef Jan-Rainer Hinz ist das Sicherheitsbedürfnis jetzt alles andere als Bequemlichkeit: Wer in die Arbeitswelt eintritt, trifft auf flaue Konjunktur, knappe Neueinstiege und Arbeitgeber, die zögerlich Personal einstellen. Früher galt: Guter Abschluss, sicherer Job – heute? Fehlanzeige.
Von Gehaltsträumen und der harten Realität
Die Erwartung beim Einstiegsgehalt liegt für viele Absolvent:innen bei etwa 44.500 Euro – nur ein mageres Plus von 1,8 Prozent seit 2024. Berücksichtigt man aber die Inflation, sind das gefühlt satte Einbußen: Reale Erwartungen würden bei etwa 56.000 Euro liegen. Es bleibt also durchaus Luft nach oben – zumindest auf dem Papier.
Split nach Studienfach und Geschlecht
Interessant, wie sehr der Einstieg von Geschlecht und Studienfach abhängt: Männer schätzen ihr Anfangsgehalt mit rund 47.500 Euro, Frauen mit 42.200 Euro ein. Mit Abstand die höchsten Erwartungen haben künftige Jurist:innen – die niedrigsten wiederum Kulturwissenschaftler:innen.
Auf der Jagd nach attraktiven Branchen
Wo zieht es die Studierenden besonders hin? Ganz vorne liegt wenig überraschend die IT (26 Prozent), gefolgt vom Öffentlichen Dienst (17 Prozent). Handel, Transport und Logistik? Eher aus der Kategorie "not sexy" – hier trifft man nur auf wenige Wunschkandidaten.
Was das für Unternehmen bedeutet
Unternehmen, die Talente anlocken wollen, sollten mehr bieten als Geld allein: Sicherer Arbeitsplatz, Entwicklungsperspektive und moderne Arbeitszeitmodelle sind punktgenau das, wonach gesucht wird. Wer das ignoriert, könnte im Wettbewerb um junge Köpfe das Nachsehen haben.
Blick auf die Ergebnisse
Die EY-Studie verdeutlicht: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dominiert der Wunsch nach Jobsicherheit ganz klar die Karrierevorstellungen junger Menschen – und das erstmals sogar vor dem Einstiegsgehalt. Der Arbeitsmarkt ist angespannter, Einstiegspositionen sind rarer; das schlägt sich direkt in den Erwartungen nieder. Insbesondere Frauen und Studierende in weniger gefragten Fachrichtungen kalkulieren offenbar vorsichtiger und streben nach möglichst stabilen Verhältnissen.
Aktuelle Ergänzungen aus anderen Quellen
Neue Berichte (taz, FAZ, Spiegel) beschreiben den deutschen Arbeitsmarkt derzeit als insgesamt träger, mit verstärktem Fokus auf sichere Beschäftigung, sowohl wegen wirtschaftlicher Kältewellen als auch durch politische Unsicherheiten – was mit den Studienergebnissen fast nahtlos zusammenpasst. Zusätzlich heißt es, dass viele junge Menschen das Homeoffice schätzen, aber dabei vor allem die Möglichkeit, sich beruflich abzusichern, hervorgehoben wird. Außerdem gibt es eine Trendverschiebung zu nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Branchen, wobei die Erwartungen an die Arbeitgeber insbesondere in Sachen Kultur- und Werteorientierung steigen.