Ein Klima zwischen Hoffnungslosigkeit und Widerstandskraft
Kaum hat man begonnen, sich mit den immer wiederkehrenden Krisen in Ostafrika abzufinden, reißt eine neue Nachricht aus dem Südsudan aus der trügerischen Routine: Etwa 2,5 Millionen Menschen sind akut von dürreähnlichen Zuständen betroffen. Wie sich das anfühlt, weiß wahrscheinlich nur, wer selbst schon einmal dem Regen beim Ausbleiben zugeschaut hat – und dann damit leben muss.Verlorener Boden – wortwörtlich
Der Verlust von Ackerland und Vieh ist dabei mehr als eine nüchterne Statistik: Er frisst sich in Familienstrukturen, nimmt Hoffnung und zwingt Menschen in die Flucht oder in eine Perspektive ohne sicheren Halt. Viele greifen zu Wildfrüchten oder verkaufen Hab und Gut. In Jonglei und Upper Nile spitzt sich das Drama am stärksten zu – hier verschmilzt der Klimawandel mit lokalen Konflikten zu einer existenziellen Bedrohung.Kinder hungern, Schwellen werden überschritten
Erhebungen zeigen alarmierende Unterernährungsquoten bei Kindern unter fünf Jahren, teilweise bei mehr als einem Drittel der untersuchten Kinder. Auch Panyikang und Malakal überschreiten mit Werten zwischen 18 und 28 Prozent deutlich die WHO-Notfallmarke. Was das wirklich heißt, spürt man wahrscheinlich erst beim Blick in leere Teller.Krankheiten wie Schatten auf ausgetrockneten Feldern
Die Cholera-Epidemie ist quälend zäh und hält die Menschen schon seit zwei Jahren im Griff. Seit September 2024 häufen sich dramatische Zahlen: über 112.000 Fälle und 1.723 dokumentierte Todesfälle. Dazu drängen sich Ausbrüche von Masern, Hepatitis E, Polio und inzwischen sogar Mpox – wenn es regnet, dann nur Sorgen.Multiples Leiden
Die Kombination aus Dürre, Hunger und Seuchenausbrüchen lässt wenig Raum für Hoffnung – außer vielleicht die stillen Heldinnen und Helden, die irgendwie doch weitermachen. Verschärft wird alles durch Krieg, zermürbende Vertreibung und fehlende Infrastruktur für ein Minimum an Gesundheit und Hygiene. Internationale Hilfe – ohnehin angespannt – muss alles gleichzeitig stemmen: Nahrung, Gesundheit, Wasser, Schutz. Und doch bleibt manches Flickwerk.
Ein bedrängtes Land am Limit
Der Südsudan bleibt eines der am stärksten vom Klimawandel geschlagenen Länder: Dürre verzehrt die Lebensgrundlagen; rund 2,5 Millionen Menschen – darunter besonders viele Kinder – rutschen in akute Ernährungsnot. Erhebungen des UN-OCHA und lokaler Organisationen zeigen alarmierende Werte: Die Unterernährungsrate bei Kindern unter fünf Jahren erreicht mehrfach über 30 Prozent, weit jenseits der Schwelle, die von der Weltgesundheitsorganisation als Katastrophe definiert ist.Zusätzliche Belastungen durch Krankheiten und Gewalt
Die Cholera-Epidemie ebbt nicht ab, während weitere Infektionskrankheiten grassieren – erschwert von Mangel an sauberem Wasser und fehlender medizinischer Versorgung. Außerdem treiben bewaffnete Konflikte immer mehr Menschen in die Flucht; viele verlieren dabei alles, was sie besitzen, und leben unter prekären Bedingungen als Vertriebene.Ergänzende Faktenlage
Aktuelle Presseberichte unterstreichen: Laut der Uno hungern insgesamt 7,1 Millionen Südsudanesen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – und Spenden für Hilfseinsätze stagnieren oder sinken. Die Bundesregierung hat erneut humanitäre Hilfe zugesagt, aber ohne nachhaltigen Friedensprozess und gezielten Klimaschutz bleibt die Lage fragil.Recherchen von SPIEGEL, taz und ZEIT berichten, dass internationale Hilfsorganisationen unter großem Druck stehen: Die Finanzierung für Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung könnte 2024 erstmals nicht ausreichen, warnen Experten. Klimawandel entfaltet seine Wirkung als Brandbeschleuniger – vor allem in Verbindung mit unsicheren politischen Verhältnissen und wiederkehrender Gewalt.