In einer Art zähem Frühnebel bewegten sich Menschenströme an diesem Samstagmorgen durch Erfurt. Viele blockierten gezielt zentrale Straßen – B4 bei Gispersleben, B7 nahe Frienstedt, das Erfurter Kreuz und sogar Teile der A71 waren betroffen. Auch in der Innenstadt, am Gothaer Platz, ging kaum noch etwas. Von einer Autobahnbrücke, irgendwo im Niemandsland zwischen Mittelhausen und Stotternheim, hingen dann plötzlich ein paar Protestierende an Seilen in der Luft. Eigenartig eindringliche Bilder. Die Polizei sprach davon, die Lage sei bislang ruhig – jedoch mit einem unausgesprochenen Fragezeichen in der Stimme. Die Autobahnfreigabe auf der A71 verzögerte sich jedenfalls. Währenddessen reisten die Delegierten der AfD – dieses Mal offenbar recht unbeeindruckt – weiter an. Die meisten waren laut Polizei schon zwei Stunden vor Beginn auf dem Messegelände. Der Parteitag selbst sollte plangemäß um zehn Uhr losgehen. Für den weiteren Tag wurden immerhin rund 50.000 Menschen als Gegendemonstranten erwartet. Und ja: Die Behörden stellten sich innerlich auf mögliche gewaltsame Auswüchse ein. Solche Szenen sind bei AfD-Parteitagen tatsächlich schon fast Routine, selten bleibt alles konfliktfrei. Besonders brisant: Beim Treffen wird der Vorstand gewählt – und sowohl Alice Weidel als auch Tino Chrupalla wollen ihren Platz verteidigen.
Die Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt waren zahlenmäßig und organisatorisch außergewöhnlich umfangreich. Während rund 15.000 Menschen sich in Blockaden und Demonstrationszügen engagierten, stieg die Zahl der Teilnehmenden laut örtlichen Behörden im Tagesverlauf weiter an; Schätzungen sprechen von bis zu 50.000 Demonstrierenden. Laut Medienberichten kam es trotz der angespannten Situation zunächst nur zu kleineren Zwischenfällen, während das mediale und polizeiliche Augenmerk vor allem auf mögliche Eskalationen und die politische Bedeutung der Vorstandswahl gerichtet blieb. Die Wahl und das erneute Antreten des AfD-Spitzenduos Weidel/Chrupalla werden besonders kritisch gesehen, da die Partei, nicht zuletzt wegen ihrer Nähe zu rechten Strömungen, immer wieder im Fokus gesellschaftlicher Debatten steht und bundesweit für kontroverse Reaktionen sorgt. Laut 'Tagesschau' und 'FAZ' berichten zahlreiche Initiativen von einem außergewöhnlichen Zuspruch und einem neuen Level der Mobilisierung zivilgesellschaftlicher Kräfte, verglichen mit früheren Protesten. Zudem wird darauf hingewiesen, dass diese Proteste auch als Signal gegen den wachsenden politischen Einfluss der AfD in den kommenden Landtagswahlen verstanden werden.