Totenbeschau in Niederösterreich: Angehörige werden bei schlechtem Ablauf zur Kasse gebeten

St. Pölten/Neulengbach/Wien – Ärger um Todesfeststellung per Video: Lichtblick mahnt sorgfältige Kontrolle, feste Zuständigkeiten und faire Verteilung der Zusatzkosten ein.

05.11.26 10:26 Uhr | 4 mal gelesen

Kaum zu glauben, aber manchmal beruht die Organisation rund um den Tod mehr auf Improvisation als auf Würde. Der sicherlich gruseligste Aspekt: Die uralte Angst, lebendig begraben zu werden, nennt man Taphephobie. Früher hat man sicherheitshalber Särge mit Glocken ausgestattet – heute vertraut man darauf, dass Ärzt:innen genau hinschauen, wenn sie einen Todesfall prüfen. Jörg Bauer von Lichtblick Bestattung erlebt allerdings in Niederösterreich Situationen, da hat nicht einmal jemand den Verstorbenen berührt. Unschöne Vorstellung – gerade für Angehörige, die ohnehin durch den Verlust schon belastet sind. Das zentrale Problem: Laut dem niederösterreichischen Bestattungsgesetz darf nach einer Todesfeststellung der Leichnam abtransportiert werden, aber die eigentliche Totenbeschau muss separat und spätestens 24 Stunden nach Meldung erfolgen. Und: Theoretisch schön geregelt, praktisch aber oft ein Drahtseilakt. Schon mal versucht, am Wochenende einen Arzt für eine Totenbeschau zu erreichen? Eben. Bauer berichtet von Verzögerungen, Wartezeiten und Intransparenz. In Wien läuft's übrigens anders: Dort muss ein Totenbeschauarzt die finale Untersuchung machen, bevor irgendwas bewegt werden darf – und zwar richtig gründlich. Gerade in Pflegeheimen tauchen neue Probleme auf: Keine Kühlmöglichkeiten? Dann wird gleich mal ein Bestatter gerufen, noch bevor Angehörige überhaupt informiert sind. Das bringt häufig Extrakosten für kurzfristige Überführungen, unnötige Zwischenlagerungen oder gar den Wechsel des Bestattungshauses mit sich – und das alles aus bürokratischen Gründen, die niemand versteht. Bauer schildert Fälle, wo Hinterbliebene schon zahlen mussten, bevor sie überhaupt selbst entscheiden konnten, wer den Sarg schultern soll. In vielen Fällen klaffen Gesetz und Realität auseinander – transparent wird das selten kommuniziert. Spitzfindigkeit am Rande: Die laufende Digitalisierung – etwa Pilotversuche mit Telemedizin und Todesfeststellungen per Video – wirft zusätzliche Fragen nach Verantwortung, Qualität und Kontrolle auf. Ein Videoanruf, der Leben und Tod entscheidet? Irgendwie irritierend. Entscheidend wäre, dass klare Standards und Transparenz zu jeder Zeit gelten. Bauers Fazit ist so eindeutig wie unbequem: Wer per Gesetz Abläufe fordert, die in der Fläche nicht gewährleistet werden können, lädt Angehörigen nicht nur Bürokratie, sondern auch Zusatzkosten auf. Und: Unsicherheit über die eigentliche Todesursache oder eine schludrige Untersuchung werden dadurch nicht ausgeräumt. Skandale sind da eher eine Frage der Zeit als eine Option.

Die Praxis der Totenbeschau in Niederösterreich sorgt derzeit für Unmut unter Hinterbliebenen und Bestattern, da gesetzliche Vorgaben in der Realität häufig nicht eingehalten werden. Angehörige müssen teilweise zusätzliche Kosten für Überführung und Zwischenlagerung tragen, wenn Abläufe stocken oder Verantwortliche schwer erreichbar sind, was vor allem an Wochenenden und Feiertagen zum Problem wird. Die Digitalisierung, etwa mit telemedizinischer Todesfeststellung, wird bislang kritisch gesehen, da Fragen zur Qualitätssicherung, Haftung und Transparenz offen bleiben – eine umfassende Strukturreform und verlässliche Kommunikation wären dringend geboten. Aktuelle Informationen aus journalistischen Quellen zeigen: In den letzten beiden Tagen haben u.a. Artikel betont, dass die Telemedizin in verschiedenen Bereichen im österreichischen Gesundheitswesen zwar rasch Einzug hält, doch telemedizinische Lösungen gerade rund um lebensnahe Vorgänge wie Todesfeststellung flächendeckend erst eingeführt werden müssen – und noch Unsicherheiten bei Datenschutz, Haftungsfragen sowie praktischer Umsetzung bestehen (Quelle: [Der Standard](https://www.derstandard.at)). Außerdem steht das Personalproblem bei Landärzt:innen und deren Bereitschaften weiter im Fokus, was nicht nur in Niederösterreich zu eklatanten Versorgungslücken in Notdiensten führt. Außerdem kritisieren Angehörigenverbände und lokale Bestatter bundesweit, dass bestehende gesetzliche Pflichten in der Praxis häufig nicht erfüllt werden können – es fehle an Ressourcen, klaren Zuständigkeiten und einer fairen Kostenverteilung.

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