Die Initiative kommt nicht oft so geballt: Rund 200 deutsche Hochschulprofessoren haben sich in einem offenen Aufruf an Kanzler Friedrich Merz gewandt. Ihr Wunsch ist klar, aber keineswegs klein: Die Gründung eines Welt-Ungleichheitsrates unter dem Dach der UNO, der soziale und wirtschaftliche Ungleichheit systematisch analysiert und Länder weltweit vergleichbar macht.
Stiglitz als Ideengeber – Gedanke vom Weltklimarat abgeschaut
Die Idee ist nicht neu, doch die Brisanz wächst. Joseph Stiglitz, Ex-Chefökonom der Weltbank, kämpft seit Längerem für so ein Gremium und griff das Thema kürzlich bei der UN-Generalversammlung auf. Die Anlehnung an den Weltklimarat IPCC ist offensichtlich: Eine internationale Plattform, die Standards, Daten und Empfehlungen bündelt – sozusagen ein Kompass im Labyrinth der wachsenden Ungleichheiten.
Erste Unterstützung – doch Umsetzung bleibt offen
Interessant dabei: Mehrere Staaten wie Brasilien, Norwegen oder Südafrika haben bereits ihre Unterstützung signalisiert. Das zeigt, dass die Sorge um soziale Kluften ein globales Thema ist, nicht bloß ein Luxusprojekt des globalen Nordens. Dennoch bleiben Fragen nach der konkreten institutionellen Ausgestaltung, Finanzierung und Unabhängigkeit des Rates hartnäckig im Raum stehen.
Warum gerade jetzt?
Die Ungleichheit nimmt weltweit zu, das zeigen viele Indikatoren. Einkommen, Vermögensverteilung, Bildung oder Gesundheit – die Disparitäten sind enorm und gehen selten nur mit Zahlen einher: Gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Glaube an demokratische Prozesse leiden mit. Dazu kommt, dass Datenerhebungen oft weder einheitlich noch transparent sind – ein zähes Problem, das Forschung und Politik schon lange begleitet.
Ein wissenschaftliches Gegengewicht zur politischen Willkür?
Ihre Hoffnung: Ein UN-Gremium könnte als transparentes wissenschaftliches Fundament für die Politik dienen. Zugegeben, ein solcher Rat könnte politisch keinerlei Verteilungsentscheidungen durchsetzen. Aber er hätte Macht durch Daten – und könnte Lücken und Fehldeutungen sichtbar machen. Für Deutschland heißt das vor allem: Die derzeitige Bundesregierung müsste ihren Standpunkt in einer ziemlich relevanten Debatte beziehen.