Deutschland und Venezuela – auf den ersten Blick zwei Welten, die fast nichts miteinander gemein haben. Doch Leopoldo López, seit Jahren Symbolfigur der venezolanischen Opposition und seit seiner Flucht im spanischen Exil, sieht das anders. Deutschland, erklärt er, könne Venezuela vermitteln, wie ein Land mit Narben politischer Unterdrückung, Enteignung und Spaltung umgehen kann – und wie sich trotz alledem gesellschaftliche Versöhnung anbahnen lässt. Die deutsche Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte, sagt López, sei für Länder auf der Suche nach Erneuerung ein Lehrstück.
Interessanterweise sieht er auch für die deutsche Wirtschaft, insbesondere im Energiesektor, großes Potenzial, Impulse für die Erholung Venezuelas zu setzen. Eigentlich erstaunlich, denn Venezuela selbst sitzt auf riesigen Ölreserven, hat aber mit Missmanagement und Korruption eine funktionierende Wirtschaft fast unkenntlich gemacht. López, der viele Jahre unter dem repressiven Maduro-Regime inhaftiert war, gibt die Hoffnung nicht auf, bald zurückkehren zu können. Er sieht Venezuela an einem historischen Kipp-Punkt: „Wir müssen zeigen, dass der Wandel von Diktatur zu Demokratie möglich ist – sonst erlischt der Glaube daran auch anderswo.“ Und zwar global, wie er nachschiebt.
Er hebt außerdem hervor, dass Europa diese Chance erkennen muss, selbst wenn aktuelle US-Strategien kein klares Engagement für einen demokratischen Umbruch zeigen. Für ihn steht fest: Auf lange Sicht werde auch Amerika kaum daran vorbeikommen, die Demokratisierung Venezuelas aktiv zu unterstützen. Alles andere sei eine Sackgasse.
López' Forderung nach deutscher und europäischer Unterstützung ist kein Einzelfall – viele Observierende sehen Deutschland als möglichen Vermittler, da es seine eigene Geschichte der Spaltung, des Leids und der Wiedervereinigung kennt. Jüngst sind diplomatische Signale sowohl aus Berlin als auch aus Brüssel zu vernehmen, die einen friedlichen Machtwechsel in Caracas für nötig halten, allerdings reagiert die EU auf die stockenden Verhandlungen zwischen Opposition und Regierung momentan zurückhaltend.
Gleichzeitig bleibt Venezuela wirtschaftlich zutiefst angeschlagen: Hyperinflation, regelmäßige Stromausfälle und ein massiver Exodus lasten auf dem Land; der Wiederaufbau – auch mithilfe externer Partner wie Deutschland – wird als langwierig und mühselig eingeschätzt. Mit Blick auf die geopolitische Lage und Ressourceninteressen, insbesondere beim Übergang zu erneuerbaren Energien, könnten deutsche Unternehmen zukünftig eine wichtige Rolle spielen – sofern sich die politische Lage stabilisiert.