Strom und Gas werden für Neukunden noch teurer. Das Vergleichsportal Verivox rechnet aufgrund der andauernden geopolitischen Spannungen – Stichwort: Iran – mit weiteren Aufschlägen bei den Energiepreisen in Deutschland. Schon jetzt, erläuterte Verivox-Geschäftsführer Daniel Puschmann gegenüber der 'Rheinischen Post', müssen Stromwechsler im bundesweiten Mittel knapp 31 Cent je Kilowattstunde zahlen. Damit hat sich der Preis seit Anfang März um ungefähr 20 Prozent erhöht.
Schneller Anstieg: Neukunden zahlen drauf
Wer neu abschließt, merkt den Anstieg zuerst – Bestandskunden dürften aber kaum verschont bleiben. Viel hängt daran, wie lange ihr aktuelles Angebot noch festgeschrieben ist. Im Hintergrund steigen die Gaspreise an, da Gaskraftwerke oft den Preis bestimmen. Das dreht unweigerlich an der Strompreisschraube mit. Noch so eine kleine Beobachtung am Rande: In angespannten Zeiten diktiert das teuerste Kraftwerk, meist eben ein Gaskraftwerk, den Preis für alle.
Laut Puschmann zahlen vierköpfige Haushalte derzeit im Grundversorgertarif durchschnittlich 1.594 Euro im Jahr für Strom. Wer regelmäßig den Anbieter vergleicht und bei Preiserhöhungen schnell reagiert, kann locker 360 Euro jährlich sparen – ein nettes Nebeneinkommen, rein rechnerisch. Wer auf eine Preisgarantie beim neuen Vertrag achtet, sichert sich immerhin vor weiter kletternden Tarifstufen ab, ist aber auch gebunden. Es ist wie bei Handyverträgen: Flexibilität kostet etwas mehr, aber bringt auch Sicherheit.
Gaspreis unter Druck: Winter lässt grüßen
Auch beim Erdgas kündigt sich eine neue Runde der Preisrallye an. Deutschland geht mit vergleichsweise niedrigen Füllständen an die Speicher in den Herbst. Puschmann bleibt – trotz aller Sorge – einigermaßen gelassen: Ein Gasnotstand sei unwahrscheinlich, aber billiger wird's sicher nicht.
Bisher haben bundesweit nur wenige Versorger Preiserhöhungen für Gas offiziell gemacht, aber die Welle dürfte spätestens zum Jahreswechsel rollen. Bis zu 20 Prozent Aufschlag hält Verivox beim Gas für wahrscheinlich, was Familien im Einfamilienhaus um die 2.400 Euro pro Jahr kosten könnte. Je nach Tarif und Heizgewohnheit kann das aber schnell noch teurer werden. Das sind Summen, bei denen der eine oder andere schon mal ins Schwitzen kommt – und das nicht nur wegen der Heizung.
Die eigentliche Gefahr ist dabei gar nicht, dass das Gas knapp wird – bislang steuert der Staat massiv gegen, etwa durch den Auftrag an Sefe, zusätzliche Reserven anzulegen. Problematisch bleibt aber der Preis, der – typisch für Märkte – erst mit Verzögerung beim Kunden ankommt. Schließlich greifen Preisgarantien und Vertragslaufzeiten erst, bis sie auslaufen. Und dann?
Haushalte unter Druck: Tarife, Zeitpunkte, Unsicherheiten
Für Verbraucher wird’s unübersichtlich: Wann endet der aktuelle Tarif? Gibt’s eine Preisgarantie? Gerade jetzt werden solche Vertragsdetails zur Überlebensfrage für viele Haushalte. Wechseln oder aussitzen? Kurzfristig sparen, langfristig zahlen? Wer da nicht reflektiert, steht schnell im Regen – und das nicht nur bildlich.
Manche Anbieter locken mit günstigeren Erstangeboten, knüpfen die aber gern an Mindestlaufzeiten. Schnäppchen machen ist also immer zugleich ein Spiel mit Risiken. In Summe bleibt der Eindruck, dass sich der Strom- und Gasmarkt auf eine nervöse, ungewisse Phase einstellt – irgendwo zwischen Hoffnung auf einen milden Winter und Angst vor weiteren geopolitischen Eskalationen, die alles zunichtemachen.
Höhere Energiepreise für Verbraucher unausweichlich?
Verivox prognostiziert einen beachtlichen Aufschlag für Neukunden bei Strom und Gas – der Wechsel zu günstigen Tarifen kann helfen, doch Preisgarantien sind kein Allheilmittel. Die Füllstände der deutschen Gasspeicher liegen momentan deutlich unter Vorjahresniveau, die Bundesregierung steuert mit zusätzlichen Beschaffungsverpflichtungen dagegen. Viele Verbraucher stehen nun vor der Herausforderung, steigende Kosten ein Stück weit abzufedern: durch Tarifvergleiche, Verhaltensanpassungen – und, letztlich, durch einen langen Atem in Sachen Energiepolitik.
Ergänzende Recherchen und aktuelle Entwicklungen
Die FAZ berichtet am 1. Oktober von Nachholeffekten in der Energiepreisentwicklung: Während sich Lieferengpässe derzeit zwar abmildern, geraten die Großhandelspreise durch steigende geopolitische Risiken und Kosten für CO₂-Zertifikate unter Druck. Die Betreiber von Erdgasspeichern warnen dennoch vor überzogener Sicherheitsangst, denn eine erneute Mangellage sei momentan nicht zu befürchten. Hingegen hebt Süddeutsche.de (1. Oktober) hervor, dass einzelne Grundversorger wie die Stadtwerke München Preisanpassungen bereits angekündigt haben, wobei die tatsächliche Höhe regional stark schwankt.
Ein längerer Bericht der Deutsche Welle (DW) von heute morgen schildert, wie der deutsche Mittelstand auf die Energieverteuerung reagiert: Firmen setzen vermehrt auf Energieeffizienz, aber viele berichten von Belastungen durch volatilen Strom und Gaspreisen – staatliche Entlastungsmaßnahmen bleiben deshalb umstritten. Drei Sätze zu weiteren aktuellen Artikeln siehe unten.