VW setzt beim autonomen Fahren auf Wayve anstelle von Nvidia

Volkswagen zieht für die nächste Generation seiner KI-Assistenzsysteme das Londoner KI-Start-up Wayve heran – und lässt damit Nvidia im Auswahlverfahren hinter sich. Während sich VW für die KI-Software von Wayve entscheidet, bleibt Cariad für die technische Integration verantwortlich.

heute 09:05 Uhr | 3 mal gelesen

Die Entwicklung beim autonomen Fahren ist ein Rennen mit überraschenden Wendungen, und Volkswagen scheint einen mutigen Schritt zu wagen: Die künftige KI-Software für Fahrerassistenz stammt nicht etwa vom Tech-Riesen Nvidia, sondern von Wayve, einem – auf den ersten Blick unscheinbaren – Start-up aus London.

Ein britischer Außenseiter überzeugt

VW hat im vergangenen Sommer in einer süddeutschen Metropole mehrere Anbieter getestet, darunter Nvidia, Wayve und ein ganzes Dutzend weiterer Unternehmen. Interessanterweise soll Wayve nach Insiderberichten nicht nur durch seine technische Lösung, sondern auch beim Preis gepunktet haben.

Die Hoffnung: Mit Wayves Software sollen Features wie automatisches Spurwechseln in Mischverkehr oder nahtlose Tür-zu-Tür-Navigation endlich jene Praxistauglichkeit und Eleganz erreichen, die man heute bei Tesla oder Mercedes schon sieht. So ein bisschen hat das ja auch was von „David gegen Goliath“.

Neue Arbeitsteilung bei VW

Wayve verfolgt das Prinzip einer Ende-zu-Ende-KI und trainiert sie mit enormen, oft eigens generierten Datensets. Das Ziel: Die Steuerung verschiebt sich subtil in Richtung menschlicher Fahrstil – und weg von den oft technokratischen Lösungen traditionellen Partner.

Damit trennt VW erstmals klar zwischen KI-Software (externe Experten) und Fahrzeugtechnik (hauseigene Integration), auch weil das frühere Bündnis mit Bosch nicht die erhoffte Durchschlagskraft brachte. Cariad bleibt für die technische Einbettung – also Hardware, Sensorik und Adaptierung – federführend.

Audi am Verhandlungstisch – und mittendrin

Spannend ist: Audi, selbst unter Druck im Konkurrenzkampf mit BMW und Mercedes, darf jetzt wohl die Formalitäten mit Wayve klären. Ironie am Rande: Gerade Audi-Chef Döllner soll eigentlich Nvidia bevorzugt haben – jetzt muss sein Team das Gegenteil verhandeln.

Für Cariad bringt diese Lösung Sicherheit: Bei einer Komplettübernahme von Nvidia drohten massive Einschnitte bei Mitarbeitern, teils im vierstelligen Bereich. Nun bleibt zumindest das Wissen rund um Integration und Absicherung im Konzern.

Feintuning und offene Fragen

Mit diesem Schritt steht VW erneut an einer Wegkreuzung: Welche Anteile behält man selbst, welche vergibt man nach außen? Gerade, weil in Zukunft vor allem die Software das Verkaufsargument schlechthin wird – Premiumkunden schauen da heute sehr genau hin.

Noch ist nicht alles geklärt: Funktioniert das Zusammenspiel der neuen KI mit bestehenden Fahrzeugarchitekturen unter extremen Verkehrsbedingungen? Und wie bekommt man das ganze Konstrukt rechtzeitig und normgerecht auf die Straße? Fragen, die jetzt – wie so oft in der Branche – unter enormem Zeitdruck beantwortet werden müssen.

Kurz und knapp: VW, Wayve und die autonome Zukunft

Volkswagen setzt bei seiner Fahrerassistenz der nächsten Generation auf KI von Wayve, nachdem das britische Team sich gegen Nvidia und andere Konkurrenten durchgesetzt hat – entscheidend waren sowohl Technik als auch Budget. Cariad bleibt für die Einbindung zuständig, was interne Kompetenzen sichert und größere Einschnitte vermeidet. Audi verhandelt mit Wayve, obwohl dort der Chef eigentlich Nvidia als Favoriten sah – die Richtung ist aber klar: VW will eine flexiblere, modulare Architektur und mit Premiumkonkurrenten aufschließen.

Weitere Entwicklungen

In den letzten 48 Stunden berichtete die Spiegel, dass die Deutsche Autoindustrie allgemein unter zunehmendem Druck steht, mit internationaler Konkurrenz bei Softwarethemen Schritt zu halten; der Fokus liegt dabei auf Partnerschaften mit spezialisierten Tech-Firmen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung analysierte, dass neue Arbeitsmodelle und die gezielte Auslagerung bestimmter Technologien typische Reaktionen der Branche auf beschleunigten Technologiewandel seien. Süddeutsche Zeitung beleuchtete, wie die Kooperationen zwischen etablierten Autoherstellern und agilen Start-ups zwar Risiken bergen, aber oftmals der Innovationsmotor schlechthin sind – gerade im Bereich der KI-Entwicklung für den Verkehrssektor.

Schlagwort aus diesem Artikel