Interessant ist, dass Wagenknecht ganz bewusst auf jemanden setzt, der fernab üblicher Politiklaufbahnen agiert. Ihrer Ansicht nach bringen langjährige Parteisoldaten zwar das Durchhaltevermögen für parteiinternes Ringen mit, aber sind selten die Richtigen für echte Führungsaufgaben. "Man muss nicht zwangsläufig durch Parteikarrieren gereift sein, um große Organisationen zu steuern", betonte sie im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. Ein wenig wirkt das wie ein Seitenhieb gegen festgefahrene Strukturen – oder gegen die berühmten Seilschaften, die so vieles in der Politik bestimmen. Ihren Kandidaten oder ihre Kandidatin hält sie allerdings weiter unter Verschluss: Die Inhalte seien entscheidend, behauptet sie, nicht der Name. Bei anderen Parteien wisse man ohnehin nie, was nach der Wahl passiere – das kann als versteckte Skepsis allen etablierten Kräften gegenüber gelesen werden.
Überraschend offen spricht Wagenknecht auch über die Rolle der AfD. Eine Partei, die mit 40 Prozent Zustimmung da steht, könne man und solle man nicht permanent aussparen – so sieht sie das. Sie sieht kein Problem darin, starke AfD-Vertreter in Ausschüsse zu lassen oder eine Minderheitsregierung entstehen zu lassen, zur Not mit Enthaltung ihres Lagers. "Das ist einfach eine Frage demokratischer Spielregeln", führt sie aus. Ob diese Haltung politisch zündet oder für Wirbel sorgt? Vielleicht beides gleichzeitig.
Sahra Wagenknecht überrascht Sachsen-Anhalt mit dem Vorschlag, für das Ministerpräsidentenamt keinen typischen Politiker, sondern eine unabhängige Führungspersönlichkeit mit Organisationserfahrung einzusetzen und hält den Namen ihres Wunschkandidaten weiterhin geheim. Ihr Misstrauen gegenüber etablierten Parteien spielt bei dieser Strategie eine maßgebliche Rolle, ebenso ihre offene Einstellung zur Zusammenarbeit – oder Duldung – der AfD, die derzeit in den Umfragen stark dasteht. Laut aktuellen Medienberichten und Analysen sorgt dieser Vorstoß für kontroverse Reaktionen im politischen Sachsen-Anhalt; Unterstützer schätzen den erfrischend unkonventionellen Ansatz, Kritiker hingegen warnen vor einer möglichen Stärkung der AfD durch die geplante Enthaltungsstrategie und den Tabubruch beim Umgang mit der Partei.