Wer an diesen Tagen das Foyer der USTP betrat, steckte quasi schon mittendrin im Zukunftslabor: Studierende, Forschende, Praktikerinnen und Praktiker – und, wie es so schön heißt, die jungen Leute persönlich – kamen zusammen, um ihre Ideen zu teilen, voneinander zu lernen oder auch mal zu widersprechen. Unterschiedliche Lebensentwürfe, Brüche in Biografien, Möglichkeiten zur Mitgestaltung – das alles war plötzlich nicht nur Thema, sondern lebendig diskutiert.
Zentraler Dreh- und Angelpunkt waren vier große Vorträge – Keynotes, wie es auf Tagungen nun mal so heißt. Gudrun Quenzel warf einen schonungslosen Blick auf die großen Fragezeichen und Hoffnungen im Heute-Aufwachsen, während das Team aus Salzburg nachspürte, wo Partizipation in Wohngemeinschaften auf der Strecke bleibt. Alexandra Weiss zeigte, wie aus Betroffenen Beteiligte werden – im besten Sinne, und Nils Wenzler brachte den Alltag der offenen Jugendarbeit auf die Bühne, mitsamt all seiner Widersprüche. Was hängenbleibt? Junge Menschen in Österreich schwanken zwischen Zuversicht und Druck, wie Quenzel es ausdrückte; der Anspruch, jeden einzubeziehen, ist hoch, die Wirklichkeit hinkt hinterher.
Nicht alles war glatt und festgelegt: Da gab’s Workshops, Diskussionskreise, spontane Gespräche an der Kaffeemaschine. Auch Praxisprojekte wurden vorgestellt – zum Beispiel das Projekt „parola“, das jungen Menschen mit Fluchterfahrung Räume und Mitsprache verleiht, und der Verein Care Leaver, der Jugendliche beim Sprung aus staatlicher Obhut in die Eigenständigkeit begleitet. Beide wurden mit dem Monika-Vyslouzil-Preis ausgezeichnet.
Auffällig war die Bereitschaft, blinde Flecken in der Jugendhilfe zu benennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Tagung war außerdem ein Ort, an dem Forscher*innen aus Österreich, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz nicht nur akademische Analysen lieferten, sondern auch ganz praktische Hinweise für die pädagogische und gesellschaftspolitische Arbeit: Oft sind es vermeintlich kleine Projekte, die Jugendlichen Selbstwirksamkeit und Hoffnung geben.
Eva Grigori von der USTP betonte, wie wichtig Austausch und Kooperation gerade im Feld der Jugendforschung sind. Die Frage, wie man mehr echte Teilhabe erreicht oder wie evidenzbasierte Ansätze endlich im Alltag ankommen, wird sicher auch 2027 aktuell bleiben. Aber wer ein Ohr für junge Menschen hat, weiß: Ohne ihr Zutun bleibt vieles nur Theorie.
Die Jugendforschungstagung an der USTP in St. Pölten setzte mit praxisnahen Projekten und vielfältigen Stimmen ein deutliches Signal für echte Jugendbeteiligung in Forschung, Politik und Sozialarbeit. Neben thematischen Schwerpunkten zu Lebensrealitäten und Teilhabe lag ein Fokus auf der Diskrepanz zwischen Anspruch und Alltag, insbesondere in der Jugendhilfe, aber auch auf dem Potenzial partizipativer Initiativen wie "parola" oder den Care Leavern. Aktuelle Recherchen in deutschsprachigen Medien zeigen, dass Jugendpartizipation und der Einfluss junger Generationen angesichts sozialer und ökologischer Krisen auch international an Gewicht gewinnen:
In Deutschland werden verstärkt Jugendparlamente gefordert und vorbildliche Projekte zur Integration junger Geflüchteter hervorgehoben (Quelle: [https://www.zeit.de]), während etwa taz.de und die FAZ die Rolle der Bildungspolitik und gesellschaftlichen Mitgestaltung im Kontext europäischer Jugend beleuchten. Einigkeit herrscht darüber, dass nachhaltige Beteiligungsstrukturen – ob digital oder analog – dringend nötig sind, um junge Stimmen nicht nur anzuhören, sondern ernsthaft einzubinden.
Weitere Details recherchiert: Der Jugendforscher Axel Salheiser kritisiert in der taz, dass trotz vieler Dialogformate junge Menschen häufig nicht in dauerhafte Entscheidungsprozesse der Kommunen eingebunden sind. In der Süddeutschen berichtet ein Artikel über die steigende Bedeutung von Jugendräten in Städten, die es Jugendlichen ermöglichen, mit eigenen Projekten tatsächlich sichtbaren Einfluss auf ihre Umgebung zu nehmen. Ein Beitrag auf deutschland.de hebt einen neuen EU-Jugendbericht hervor, laut dem sowohl mentale Gesundheit als auch Mitbestimmung mittlerweile zentrale Handlungsfelder der Jugendpolitik in Europa darstellen.