Hohe Wohnkosten stoppen Menschen auf dem Weg nach vorn
Es ist schon fast eine Art Absurdum: Da sucht jemand eine besser bezahlte Stelle in einer wachsenden Stadt, doch gerade die höheren Mieten fressen das zusätzliche Gehalt gleich wieder auf. Der neueste Bericht des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium beschreibt dieses Dilemma mit durchaus nüchterner Klarheit.
Wirtschaftliche Chancen auf der Strecke
37 Ökonominnen und Ökonomen haben sich der Frage angenommen, wie Wohnkosten Arbeitsmobilität hemmen – und das Ergebnis zeigt, wie sehr die Volkswirtschaft darunter leidet. Der Vorsitzende, Felix Bierbrauer, bringt es auf den Punkt: Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer relevante Lohnzuwächse bei einem Jobwechsel komplett für die Miete draufzahlen müssen, klingt das nach Blockade, nicht nach Aufschwung. Das Rechenexempel aus dem Gutachten macht deutlich: Jeder Prozent mehr Verdienst bedeutet inzwischen oft auch ein Prozent mehr Mietkosten – unterm Strich bleibt wenig bis nichts übrig.
Ja zu mehr Wohnraum – aber wer zahlt den Preis?
Damit überhaupt mehr gebaut wird, empfiehlt das Gutachten, die Kommunen stärker zu motivieren, erschwingliches Bauland auszuweisen. Doch ein Haken bleibt: Oft sind es die Gemeinden selbst, die abschrecken, weil sie durch neue Baugebiete hohe Folgekosten für Infrastruktur schultern müssen – Schulen, Kitas, Straßen, Busverbindungen. Deshalb sollen künftig auch Grundstücksbesitzer und Bauherren einen größeren Teil dieser Kosten übernehmen – eine sogenannte Infrastrukturabgabe steht im Raum. Klingt zunächst fair, doch mehr Kosten beim Bau können auch schnell nach hinten losgehen und Projekte verteuern.
Letztlich bleibt der Druck auf den Wohnungsmarkt hartnäckig
Im Grunde schließt sich der Kreis wieder. Solange Wohnen in Boom-Städten bleibt, was es ist – kaum bezahlbar und knapp –, werden die Menschen weiter zögern, den Schritt zu einem neuen Job zu wagen, obwohl die Unternehmen händeringend Arbeitskräfte suchen. Der Arbeitsmarkt bleibt so weniger dynamisch, das Potenzial wird nicht ausgeschöpft. Fraglich bleibt, ob mehr Bauland und eine andere Kostenverteilung schnell genug Wirkung zeigen. Realistisch betrachtet werden Mieten kurzfristig wohl kaum sinken, aber vielleicht richtet sich der Blick wenigstens stärker auf eine gerechte Verteilung der Lasten.
Kurz gesagt: Teure Mieten als Wirtschaftshindernis
Hohe Wohnkosten bremsen Wechselbereitschaft von Arbeitnehmern und hemmen die Dynamik am Arbeitsmarkt – so die zentrale Botschaft des wissenschaftlichen Beirats. Um das Problem anzugehen, empfehlen die Experten: Kommunen sollen mehr Bauland bereitstellen, aber auch Bauherren und Eigentümer müssen sich stärker an Kosten für Infrastruktur (wie Schulen und Straßen) beteiligen. Neuere Berichte betonen dabei die Dringlichkeit: So diskutieren Politik und Wirtschaft in den letzten Tagen erneut hitzig über Bauland-Ausweisungen und Kostenbeteiligungen, während Bundesländer mit Pilotprojekten zur Entlastung experimentieren und Haus & Grund vor zusätzlichen finanziellen Belastungen warnt. Studien der letzten Tage unterstreichen, dass Mietpreise in Großstädten weiter steigen und Wohnungsknappheit zum Dauerthema bleibt, wobei Reformen zwar angestoßen werden, aber zeitnah keine spürbare Entlastung für Mieterinnen und Mieter zu erwarten ist.