Es klingt fast schon wie Science-Fiction: Digitale Assistenten, die blitzschnell Bürgeranfragen beantworten. Eine Steuererklärung, die sich mit nur einem Klick erledigen lässt. Doch beim 25. eGovernment-Wettbewerb ist genau das bereits Realität. Die diesjährigen Finalisten – Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – zeigen eindrücklich, was möglich ist, wenn Verwaltungen wirklich mutig umdenken.
Am 6. und 7. Juli war es so weit: In vier spannenden Kategorien präsentierten die jeweils besten Teams ihre Lösungen einer hochkarätigen Jury. Von sicheren KI-Lösungen über nutzerzentrierte Prozesse bis hin zu fairen offenen Plattformen, zeichnet sich ein klarer Trend ab: Die Verwaltung setzt auf breite, technologieübergreifende Modernisierung. Klingt erstmal nüchtern, ist aber tatsächlich ziemlich dynamisch – was mich immer wieder erstaunt.
Die Initiative besteht seit inzwischen einem Vierteljahrhundert. Sie gilt als ein Schaufenster für Innovationskraft, Fortschritt und unkonventionelle Denkansätze in der öffentlichen Verwaltung. "Unsere Finalist:innen zeigen, dass der Staat nicht nur hinterherhinkt – sondern Impulsgeber sein kann", betont Jon Abele von BearingPoint. Persönlich reizt mich vor allem, wie schnell Visionen heute zu greifbaren Pilotprojekten werden – wenn der politische Wille nur vorhanden ist.
Was auffällt: Digitalisierung wird in den Projekten konsequent als ganzheitlicher Prozess verstanden. Weg von Insellösungen, hin zu vernetzten Plattformen, auch länderübergreifend. Es geht nicht mehr nur um Technik, sondern um Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und Sicherheit. Gerade Open-Source-basierte Modelle und europäische Standards spielen dabei eine zunehmend große Rolle. Vielleicht ein sanfter Seitenhieb auf die Abhängigkeit von amerikanischen IT-Riesen? Möglich.
Interessant ist auch das jährliche Publikumsvoting, das Bürger:innen in die Transformation einbindet. Noch bis 20. August kann jede und jeder abstimmen, welches Projekt den Publikumspreis verdient (Link weiter unten). Die feierliche Preisverleihung steigt dann beim großen Ministerialkongress am 2. und 3. September in Berlin. Besonderes Augenmerk liegt auf Projekten, die nicht nur technisch überzeugen, sondern gesellschaftlich einen echten Mehrwert bieten.
Wer Lust hat, die digitale Verwaltung der Zukunft live zu erleben, kann sich sogar für den Ministerialkongress anmelden. Mehr Infos zu Wettbewerbsmodus, Teams und Anmeldungen findet man auf den einschlägigen Seiten (siehe unten).
Der 25. eGovernment-Wettbewerb setzt neue Maßstäbe für die digitale Transformation öffentlicher Behörden im deutschsprachigen Raum. Im Fokus stehen diesmal insbesondere künstliche Intelligenz, nutzerzentrierte Prozessgestaltung und die Stärkung digitaler Souveränität – also beispielsweise Projekte, die offene Software und Datensicherheit als Herzstück haben. Die Diskussion um Verwaltungsmodernisierung hat zuletzt auch durch politische Initiativen wie das Onlinezugangsgesetz (OZG) und verstärkte Investitionen in IT-Infrastruktur Auftrieb bekommen; gleichwohl gibt es auch weiterhin Hürden, etwa durch Fachkräftemangel und die teils schleppende Umsetzung auf kommunaler Ebene. Laut aktuellen Medienberichten kommt die Umsetzung digitaler Services trotz hoher Erwartungen nur langsam voran – oft fehlen Schnittstellen, oder es gibt Probleme mit der Interoperabilität zwischen Behörden (wie FAZ, Zeit und t3n aus den letzten zwei Tagen berichten). Gleichzeitig weist etwa die Süddeutsche Zeitung darauf hin, dass Bürgerinnen und Bürger oftmals an der Komplexität neuer Systeme scheitern und nur eine kontinuierliche Begleitung wirklichen Wandel schafft. Innovation wird zwar vielerorts angestoßen, echte Skalierbarkeit ist aber nach wie vor ein Kraftakt. Trotzdem lassen sich gerade an den Finalistenprojekten Fortschritte ablesen, die den Alltag spürbar erleichtern könnten.