Ein kurioses, aber leider sehr reales Phänomen: Wer mit 65 Jahren und etwas grauem Schopf am Computer sitzt, um seine Autoversicherung abzuschließen, zahlt meistens einen höheren Beitrag als Jüngere. Und das, obwohl der oder diejenige womöglich jahrzehntelang unfallfrei gefahren ist. Eine vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes durchgeführte Untersuchung legt offen, dass Menschen ab 65 online nicht nur teurere Tarife bekommen, sondern häufig auch weniger Angebote vorfinden. Die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, findet das aus guten Gründen kritisch: Viele Betroffene begreifen schlichtweg nicht, warum sie trotz guter Fahrerhistorie draufzahlen müssen. Erstaunlich: Selbst wenn ältere Versicherte die gleiche Schadenfreiheitsklasse wie jüngere haben, bleiben ihre Beiträge meist höher. Das wirkt wie eine Art 'Blackbox’ – niemand versteht, wie Anbieter das rechnen. Ataman fordert, dass Versicherer endlich transparenter mit ihren Daten umgehen und offener kommunizieren, warum bestimmte Gruppen mehr zahlen. Im digitalen Zeitalter – mit all seinen Algorithmen – drängt sich die Frage nach Diskriminierung noch stärker auf. Gerade ältere Menschen sollten durch klare Auskunftspflichten und gesetzliche Regeln geschützt sein. Die zugrundeliegende Untersuchung hat teils akribisch Versicherungsangebote analysiert und strukturiert verglichen, um mögliche Unterschiede und potenzielle Ungleichbehandlungen entlang von Alter und Geschlecht sichtbar zu machen. Es zeigte sich: Die Karten sind auf Online-Vergleichsportalen für ältere Autofahrende schlechter gemischt.
Die Studie beweist deutlich: Ältere Menschen werden beim Absichern ihres Autos über Online-Vergleichsportale benachteiligt. Selbst eine vorbildliche Fahrweise spiegelt sich nicht zwingend in günstigeren Prämien wider – spätestens ab dem 65. Geburtstag steigen die Preise wieder, während das Angebot schrumpft. Kritiker:innen wie Ferda Ataman monieren die fehlende Transparenz und pochen auf gesetzliche Auskunftsansprüche, damit Diskriminierung in digitalen Prozessen aufgedeckt werden kann.
Neuere Berichte aus anderen Quellen bestätigen: Gerade mit dem fortschreitenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz und automatisierten Auswertungen erhöhen sich die Risiken für eine unbewusste Diskriminierung weiter. Fachleute warnen, dass Preisalgorithmen bei Versicherungen oft schlecht nachvollziehbar sind und Senior:innen beim digitalen Vertragsabschluss immer wieder benachteiligt werden. Die öffentliche Debatte um Diskriminierungsrisiken in der Finanz- und Versicherungsbranche erhält deshalb derzeit neuen Aufschwung.