Große Überraschungen oder hitzige Auseinandersetzungen standen nicht wirklich auf der Tagesordnung – zumindest ließ sich das aus der Stimmungslage der Delegierten ableiten. Zum Finale treten die Spitzenduo Chrupalla und Weidel erneut vors Plenum; irgendwie hat sich das auch zu einem Ritual entwickelt und wird vermutlich routiniert über die Bühne gehen. Die Proteste gegen den Parteitag, die am Samstag noch für Trubel sorgten, hatten merklich nachgelassen. Noch angemeldet waren lediglich eine Fahrraddemonstration des ADFC und ein gemeinsames Kaffeetrinken der Initiative "Omas gegen Rechts" – beides eher symbolisch, aber immerhin ein Zeichen. Die meisten Aktivisten, die schon am Vortag für Aufsehen sorgten, hatten Erfurt längst verlassen. Die Zufahrtswege zur Messe: leergefegt, bewacht von einer Vielzahl an Einsatzkräften. Versuche, durch Blockaden den Ablauf zu stören, waren ins Leere gelaufen – die AfD-Leute hatten sich einfach schon vorab auf dem Gelände versammelt. Insgesamt, bilanziert die Polizei, standen etwa 31.000 Protestierende auf den Straßen; Blockade-Teilnehmer inklusive, lässt sich die Gesamtzahl vielleicht eher Richtung 40.000 schätzen – oder sogar mehr, wenn man den Veranstaltern glaubt. Bis auf einige Ausreißer blieb es friedlich. Bei Auseinandersetzungen setzte die Polizei jedoch auch Pfefferspray ein, und es wurden Übergriffe auf Journalisten gemeldet. Das Resümee: Mindestens 48 Straftaten, ein paar Ordnungswidrigkeiten – ansonsten endete alles wohl glimpflich.
Der AfD-Bundesparteitag in Erfurt verlief am zweiten Tag deutlich ruhiger als am Vortag. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich etwa 31.000 Menschen an den Protesten, während die Veranstalter sogar von bis zu 50.000 sprechen – mit Schwerpunkt auf friedlichem Protest, aber auch vereinzelten Ausschreitungen und Angriffen, insbesondere auf Medienvertreter, was zusätzliche Diskussionen über den Umgang mit Pressefreiheit beim Umgang mit der AfD auslöste. Inhaltlich stand der Parteitag im Zeichen interner Strukturfragen, eine größere politische Debatte blieb diesmal jedoch aus; Medien und politische Beobachter werteten die zaghafte Protestbereitschaft am Sonntag als Zeichen einer erneuten starken Polizeipräsenz und einer wachsenden Müdigkeit der Zivilgesellschaft im Umgang mit solchen AfD-Großereignissen.
Neue Entwicklungen: Die AfD nutzte den Bundesparteitag, um sich organisatorisch für den anstehenden Wahlkampf aufzustellen. Mehrere Tageszeitungen berichten außerdem über einen bestimmten Angriff auf Journalisten, der bundesweit Kritik und Solidaritätsbekundungen von anderen Medien sowie politischen Akteuren nach sich zog. Laut aktuellen Meldungen steigen die Spannungen rund um AfD-Veranstaltungen in ganz Deutschland, da Demonstranten regelmäßig kreative Aktionsformen suchen und der Polizeieinsatz immer umfangreicher wird.