Das aktuelle Bild zeichnet vor allem die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt in Magdeburg, auf die sich unter anderem das Magazin 'Der Spiegel' beruft. Fast 200 der Hausärztinnen und Hausärzte im Land sind über 65 – was erstmal nach beeindruckender Berufstreue klingt, wird spätestens mit dem Zusatz erschreckend, dass einige Praxen von Ärztinnen und Ärzten jenseits der 85 (!) betrieben werden. Ohne Nachfolgerinnen und Nachfolger, die in die Fußstapfen treten wollen oder können, droht in den kommenden Jahren ein akutes Problem für die medizinische Versorgung. Schon jetzt sind über 170 Hausarztposten unbesetzt, besonders in Regionen wie der Altmark, wo der Bus öfter kommt als ein Hautarzt.
Ein Blick auf die Statistik macht die Sache nicht leichter: Die Hälfte der rund 14.400 Ärztinnen und Ärzte im Bundesland ist bereits älter als 50. Die Jungen? Davon gibt es nur knapp 900 unter 30 – und die meisten von ihnen dürften noch nicht mal richtig 'Dr. Med.' auf ihr Klingelschild geschrieben haben. In der Altmark – sozusagen am 'medizinischen Rand' – fehlen heute Experten von A wie Allgemeinmedizin bis Z wie (Kinder- und Jugend-)psychiatrie. Fazit? Die Welle der Ruheständler steht erst am Anfang. Was dann?
Persönlich frage ich mich manchmal, ob es bloß an der scheinbaren Unerreichbarkeit der entlegenen Dörfer liegt oder am deutschen System, das junge Mediziner eher nach Berlin oder gleich nach Zürich lockt. Sind Landarztquote oder finanzielle Anreize bloß Tropfen auf den heißen Stein? Oder sind es schlicht die fehlenden Perspektiven und die ewigen Überstunden, die kaum jemand in Kauf nehmen will? Vielleicht ist es wie beim leeren Bus durch die Altmark: Er fährt, aber kaum einer möchte noch zusteigen. Kleines Schlaglicht: Eigentlich wollte ich früher auch mal Medizin studieren. Dann sah ich, wie lange Ärztinnen und Ärzte auf dem Land im Einsatz sind – und habe umgedreht.
Die Lage in Sachsen-Anhalt verschärft sich rapide: Schon jetzt ist die medizinische Versorgung in Teilen des Bundeslands, vor allem auf dem Land, akut bedroht. Die kassenärztliche Vereinigung warnt, dass in wenigen Jahren Hunderte Stellen vakant sein könnten – weil ein Großteil der Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand geht und nicht genug Nachwuchs nachkommt. Jüngst wurde berichtet, dass auch geplante Maßnahmen wie höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und gezielte Landarztförderung bislang keine nachhaltige Trendumkehr erkennen lassen: Immer mehr ältere Hausärzte arbeiten ohne Nachfolge, und viele junge Mediziner zieht es lieber in Ballungszentren, da dort Ausbildung, Vernetzung und Karrierechancen attraktiver erscheinen. Studien und Berichte z.B. auf deutschland.de und FAZ.net heben hervor, dass bürokratische Hürden, zu wenig Studienplätze und hohe Arbeitsbelastung für das Nachwuchsproblem mitverantwortlich sind; einige Länder experimentieren mittlerweile mit Quotenregelungen, Stipendien und digitalen Gesundheitslösungen, doch dem strukturellen Problem steht das alles bisher machtlos gegenüber.