Alice Weidel – Mehr Schein als Sein? Wie viel Einfluss hat sie wirklich in der AfD?

Laut dem Politikwissenschaftler Oliver Lembcke ist Alice Weidel zwar das bekannteste Gesicht der AfD, zieht aber intern weit weniger die Fäden, als viele glauben. Ihre Wirkungskraft ist insbesondere gegenüber dem radikalen Parteiflügel eingeschränkt.

04.07.26 13:31 Uhr | 2 mal gelesen

Eines ist kaum zu bestreiten: In Talkshows, Zeitungen oder auf Wahlplakaten – kaum eine Person steht so sichtbar für die AfD wie Alice Weidel. Aber was bedeutet diese allgegenwärtige Präsenz eigentlich für ihre Stellung in der eigentlichen Parteimaschinerie? Oliver Lembcke, ein Politologe aus Bochum, hat dazu eine relativ ernüchternde Sicht: Die bürgerliche Fassade, die Weidel nach außen vertritt, schützt den völkisch-nationalen Flügel nicht nur, sondern erlaubt ihm mitunter, sein eigenes Ding zu machen. Das wurde auch daran deutlich, wie Björn Höcke unlängst mit spalterischen Aussagen durchkam – ohne maßgeblichen Gegenwind aus der Parteispitze zu fürchten. Weidel bleibt also, trotz aller Professionalität, nur eine bedingt einflussreiche Figur, zumindest wenn es um die Kontrolle der ganz rechten Hardliner geht. Auf wirtschaftlicher Ebene ist ihr Effekt ähnlich ambivalent: Während manche Mittelständler offen für ihre Positionen scheinen, bleiben größere Wirtschaftsakteure skeptisch, nicht zuletzt wegen der unklaren Haltung der AfD beim Thema Migration und Fachkräfte.

Die Analyse von Oliver Lembcke unterstreicht die Diskrepanz zwischen Weidels medialer Dominanz und ihrem tatsächlichen Einfluss in der Partei. Während sie nach außen Professionalität und Bürgerlichkeit vermittelt, nutzt der rechtsnationale Flügel diese Fassade, ohne sich damit wirklich einhegen zu lassen. In wirtschaftlichen Fragen öffnet Weidel der Partei zwar Türen, doch die grundsätzlichen Zweifel großer Unternehmen an der Verlässlichkeit und Anschlussfähigkeit der AfD bleiben bestehen. Recherchiert man weiter, zeigt sich, dass die Debatte um die Machtverhältnisse innerhalb der AfD zuletzt durch Personalquerelen und das Verhältnis zwischen Bundesspitze und Landesverbänden, insbesondere in Ostdeutschland, weiter angeheizt wurde. Weidel selbst war zuletzt wiederholt gezwungen, auf konsequente Distanzierungen von radikalen Äußerungen in den eigenen Reihen eher zu verzichten – was Kritiker als Schwäche, andere als strategisches Kalkül interpretieren. Verschiedene Medien weisen außerdem darauf hin, dass wirtschaftsnahe Kreise außerhalb der klassischen Mittelstandsverbände die AfD stärker beobachten, dabei aber vor allem deren mangelnde Regierungsfähigkeit kritisieren. Der Spagat zwischen seriösem Auftreten und parteiinterner Radikalisierung bleibt einer der zentralen Widersprüche – nicht nur personifiziert durch Alice Weidel.

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