AOK-Chefin sieht Chancen auf rückläufige Krankenkassenbeiträge – Regierung unter Zugzwang

Carola Reimann, Vorsitzende des AOK-Bundesverbands, hält sinkende Beiträge für möglich – vorausgesetzt, die Bundesregierung greift beherzt die Sparansätze der Expertengruppe auf. Ein konsequentes Handeln könnte Versicherten finanzielle Erleichterung bringen.

heute 00:02 Uhr | 6 mal gelesen

Tja, so einfach ist das dann eben doch nicht: Zwar hat die Expertenkommission laut AOK-Boss Carola Reimann ein solides Fundament für echte Verbesserungen im Gesundheitswesen gelegt – aber ob die Ampel-Koalition den Mut und die Ausdauer aufbringt, die Empfehlungen wirklich umzusetzen? Genau das bleibt ungewiss. Fakt ist: Versicherte stemmen seit Jahren steigende Beiträge; jetzt noch Mehrbelastungen oder verschärfte Zuzahlungen zu verlangen, hält Reimann für völlig unnötig – sofern die Politik nun endlich beherzt bei Kosten für Kliniken, Ärzte und Pharmakonzerne ansetzt. "Die Leute da draußen haben schon ihren Teil gezahlt." Nun liege der Ball klar im Spielfeld der Politik, und eigentlich, so Reimann, gäbe es keinen Grund für weitere Belastungen, wenn die genannten Ausgabenblöcke tatsächlich entschlossen auf den Prüfstand kämen. Mehr noch: Würde man die Vorschläge einfach durchziehen, könnte der Beitragssatz wirklich sinken. Allerdings droht ohne Reformen ein weiteres Auseinanderklaffen von Einnahmen und Ausgaben – am Ende bleibt dann nur die nächste Beitragssteigerung übrig. Was sie übrigens spannend findet: Höhere Steuern auf Zigaretten und Alkohol sowie Abgaben auf zuckerreiche Getränke – Reimann verweist auf gute Erfahrungen aus Nachbarländern, wo solche Maßnahmen weniger dem Steueraufkommen als vielmehr der Gesundheit zugutekämen – ein Punkt, der viel zu selten beleuchtet wird.

Die Diskussion um die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt brisant: Die Vorschläge der Expertenkommission, wie etwa stärkere Kontrollen bei Krankenhausa usgaben, konsequentere Preisprüfungen für Medikamente sowie eine Begrenzung von Klinikneugründungen, könnten tatsächlich die Beitragsentwicklung bremsen. Aktuell zeigt sich, dass viele Akteure eine Reform dringend fordern, da sich die Finanzlage der Krankenkassen weiter zuspitzt – allein 2023 klafft eine Finanzierungslücke von gut 17 Milliarden Euro. Zeitgleich empfiehlt sogar der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen weitere Instrumente wie eine Digitalisierungs-Offensive oder ein gezieltes Versorgungsmanagement, um Ineffizienzen abzubauen und Kosten zu senken.

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