Arbeitszeitgesetz: SPD und Union stehen vor Kompromiss – aber wie viel Flexibilität ist zu viel?

SPD-Geschäftsführer Dirk Wiese zeigt sich optimistisch: Im Streit um die Anpassung des Arbeitszeitgesetzes könne man sich mit der Union einigen. Ohne Abschaffung der bestehenden Regeln, aber mit mehr Transparenz und einheitlicher Zeiterfassung, strebt man eine modernisierte Lösung an.

heute 01:02 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal ist Politik wie Schachspielen mit mehreren Brettern gleichzeitig – aktuell ringen SPD und Union wieder einmal um eine der zentralen gesellschaftlichen Fragen: Wie viel Flexibilität verträgt unsere Arbeitswelt? Dirk Wiese von der SPD betont, dass es keine radikale Änderung am Arbeitszeitgesetz geben solle. Vielmehr gehe es darum, die ohnehin bereits praktizierten flexiblen Arbeitsmodelle durch klare Rahmen und verpflichtende digitale Zeiterfassung rechtssicher zu machen. Einfach gesagt: Keine heimlich geleisteten Überstunden mehr, alles wird dokumentiert. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas soll nun auf Druck der Union einen Gesetzentwurf vorlegen. Dabei stehen vor allem zwei Details im Fokus: Die tägliche Höchstarbeitszeit könnte – in Ausnahmefällen – bis zu 13 Stunden betragen, die 40-Stunden-Wochen-Grenze bleibt jedoch als Obergrenze bestehen. Hier winkt Spahn (CDU) mit dem Zaunpfahl und pocht auf zügige Umsetzung der Koalitionsversprechen. In der Koalition herrscht offenbar konstruktive Atmosphäre, berichtet Wiese. Seine Gespräche im Wahlkreis zeigen allerdings, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie viel schon jetzt in Betrieben möglich ist. Dieses Unwissen sei riskant – denn nur, wenn die Politik die Bedürfnisse und Verständnisse der Bürger kennt, gelingen nachhaltige Kompromisse.

Die Koalition verhandelt gerade mit Nachdruck über das neue Arbeitszeitgesetz. Herzstück der Reform soll eine digitale Zeiterfassung sein, um unbezahlte Überstunden zu verhindern und mehr Klarheit für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer zu schaffen. Nach aktueller Rechtslage liegt die tägliche Höchstarbeitszeit bei acht Stunden (in Ausnahmefällen zehn), im Gespräch sind nun bis zu 13 Stunden täglich bei maximal 40 Wochenstunden – eine Flexibilisierung, bei der zugleich der Arbeitsschutz gewahrt bleiben soll. Diese Debatte ist nicht abstrakt: Zahlreiche Unternehmen, besonders im Mittelstand, beklagen das starre Gesetz und fordern mehr Flexibilität für projektbezogene Arbeit und Homeoffice, während Gewerkschaften vor Ausbeutung warnen. Studien zeigen zudem, dass zu lange Arbeitszeiten nachweislich die Gesundheit gefährden. Eine Lösung wird deshalb wohl ein wackeliger Kompromiss – irgendwo zwischen betrieblicher Vernunft und sozialem Schutznetz. --- **Neuere Entwicklungen und ergänzende Details:** Laut aktuellen Medienberichten treibt besonders der Digitalisierungsschub seit der Corona-Pandemie das Thema Zeiterfassung voran. Arbeitgeberverbände betonen, moderne Arbeitsmodelle müssten juristisch abgesichert werden, während Gewerkschaften stärkere Kontrolle zum Schutz der Beschäftigten fordern. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie verpflichtet Deutschland zur verlässlichen Zeiterfassung, die juristische Umsetzung lässt indes auf sich warten – ein Streitpunkt, der demnächst für neue Urteile sorgen könnte.

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