Bild: Preis für Super E10 wieder über zwei Euro / Anstieg gegenüber Vorwoche um 3,5 Cent / Diesel 1,4 Cent teurer / ADAC Umfrage: Mehrheit der Autofahrer hat das Tankverhalten an 12-Uhr-Regel angepasst presseportal.de
Eigentlich hatten viele darauf gehofft, dass die Kraftstoffpreise nach der Energiesteuersenkung im Mai endlich Luft holen. Doch ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Das liegt wohl auch daran, dass der Rohölpreis zuletzt förmlich angezogen hat – innerhalb einer Woche ist der Preis von etwa 105 auf 111 Dollar pro Barrel geklettert. Ehrlich gesagt: Als jemand, der viel unterwegs ist, beobachte ich ein gewisses Grundrauschen in den Tankstellen-Queues, eine Mischung aus stillem Ärger und resignierter Gewöhnung. Die aktuelle ADAC-Umfrage bringt es auf den Punkt: Die Mehrheit der Autofahrenden sieht das sogenannte Österreich-Modell, bei dem Tankstellen ihre Preise nur noch einmal am Mittag anpassen dürfen, weiterhin skeptisch. Nur ein Fünftel findet das sinnvoll, die Hälfte hält es eher für eine Mogelpackung.
Interessant ist aber, wie sehr sich das Verhalten anpasst. Inzwischen tanken viele gezielt am späten Vormittag, um den vorhersehbaren Preissprung zu umgehen. Es entwickelt sich fast ein eigenes taktisches Spiel, ein mühsame Choreographie um die Zapfsäule. Noch einmal die Empfehlung vom ADAC: Wer sparen will, zapft bestenfalls kurz vor zwölf Uhr und nutzt Preisvergleichs-Apps wie die ADAC Drive – die übrigens für über 14.000 Tankstellen aktuelle Preise bereithält. Und doch bleibt ein schales Gefühl: Während Rabatte kurzzeitig wirken, gibt am Ende der Ölpreis den Takt vor – und der zieht zurzeit spürbar an.
Der bislang erneute Anstieg der Kraftstoffpreise – speziell bei Super E10 über die psychologisch so entscheidende Zwei-Euro-Marke – wird hauptsächlich mit den höheren Rohölpreisen erklärt. Sowohl die Steuersenkung als auch Preisregelungen wie die Mittagsbindung zeigen laut Umfragen wenig nachhaltige Wirkung auf die Grundstimmung der Autofahrer. Viele richten ihr Tanken strategisch aus, um den Mittagspreis zu umgehen, doch grundlegende Entlastung bleibt aus.
Ergänzend: Laut aktuellen Berichten führen die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten, eine lebhafte Sommerreisesaison und die schwankenden Ölmärkte zu international steigenden Kraftstoffpreisen. Die deutsche Politik debattiert weiter über zusätzliche Maßnahmen gegen Preissprünge, darunter zielgerichtete Entlastungen für Pendler oder gar eine temporäre Aussetzung weiterer Abgaben. Stimmen aus der Wirtschaft warnen allerdings vor langfristigen Kapazitätsengpässen, falls die Nachfrage nach günstigen Kraftstoffen weiterhin das Angebot übersteigt, was vor allem im ländlichen Raum spürbar sein dürfte.