Die CDU steht an einem Scheideweg – zumindest, wenn man Boris Rhein Glauben schenkt. Irgendwie klingt das wie ein Déjà-vu, denn das konservative Profil fordern nicht erst seit gestern die Wortführer in der Union.
Konservative Identität – Erinnerung an große Namen
Rhein rief jetzt noch einmal laut nach dem konservativen Erbe: Im Gespräch mit dem „Stern“ betonte er, das konservative Element sei "unverzichtbar", fast schon wie das Salz in der Suppe für seine Partei. Als Vorbilder nennt er nicht zufällig Helmut Kohl, Alfred Dregger und Franz-Josef Strauß – Namen, die für viele CDU-Mitglieder nach wie vor eine Art Leuchtfeuer sind.
Europäische Entwicklungen – das warnende Beispiel
Wer nach Amsterdam, Madrid oder Paris schaut, merkt laut Rhein schnell: Konservative Parteien verschwinden, wenn sie nicht mehr klar erkennbar sind. Er malt ein Szenario an die Wand, das sich keiner wirklich wünscht: Volksparteien auf Tauchstation – und radikale Kräfte übernehmen das Ruder. "Mehr Helmut Kohl wagen", meint Rhein, sei das Gebot der Stunde. Merkwürdig nur, dass er das ganz explizit gegen die AfD richtet.
Abgrenzung zur AfD – CDU als Mitte-Rechts-Profilierer
Rhein lässt kaum Zweifel, was er von der Alternative für Deutschland hält: Nationalistische Symbole dürften nicht einer "teils rechtsextremen, letztlich unpatriotischen Partei" wie der AfD überlassen werden. Europa – das Erbe von Helmut Kohl – sieht er durch diese Kräfte akut bedroht. Die CDU, so Rhein, bleibe der "Anker der bürgerlichen Rechten", frei nach Strauß: "Rechts von uns darf es nichts geben."
Innerparteiliche Debatte und die Balance auf dem Seil
Mit all dem setzt Rhein die CDU zwischen die Stühle – oder besser gesagt: Er fordert, auf einem schmalen Grat zu balancieren. Konservative Wählerschichten zurückholen ohne denen nach dem Mund zu reden, die das rechte Ufer längst verlassen haben. Praktisch bedeutet das: nationale Symbole bewusst aufgreifen, klar europafreundlich bleiben und sich ruckzuck abgrenzen, wenn es nach rechts außen kippt. Klare Kante oder unklarer Spagat?
Kontinuität und Wandel im Dauerlauf
Am Ende bleibt die Frage offen, wie viel konservative Tradition der CDU guttut und wann es zu viel sein könnte – schließlich will man auch modern und anschlussfähig bleiben. Rhein setzt auf den "Mitte-Rechts-Mix" und schwört die Partei auf alte Werte ein. Es wirkt ein bisschen wie ein Revival, bei dem noch nicht klar ist, ob der Sound noch passt.
Kurz und kritisch: Was steckt hinter Rheins Forderung?
Boris Rhein setzt sich für eine deutlich konservativere CDU ein, um Wähler zurückzugewinnen, die sich an den Rändern orientieren – dabei bleibt er allerdings konsequent auf Distanz zur AfD und betont die proeuropäische Ausrichtung der Partei. Die Diskussion um das Profil der CDU ist nicht neu und wird von manchen als Versuch gedeutet, den Spagat zwischen Traditionsbewusstsein und moderner, urbaner Wählerschaft zu meistern – eine Herausforderung, an der sich auch andere europäische Mitte-Rechts-Parteien aktuell die Zähne ausbeißen. Rhein bezieht sich auf Parteien wie Les Républicains in Frankreich oder die Partido Popular in Spanien, die ähnliche Identitätskrisen durchlaufen.
Aktuelle Entwicklungen
Die CDU befasst sich aktuell auch im Zuge der bevorstehenden Landtagswahlen mit der Frage nach ihrem Profil. Laut Medienberichten, etwa in der FAZ und Spiegel, ist parteiintern umstritten, wie mit der Abgrenzung zur AfD und gleichzeitig der Ansprache konservativer Wähler umzugehen ist. Daneben führen die wachsende Stärke rechter Parteien in mehreren EU-Staaten zu neuen Debatten, wie stabil das bürgerliche Lager in Zukunft noch sein kann.