DB Familienticket wird fester Bestandteil: 99,99 Euro für die ganze Familie

Bahnkunden können aufatmen: Das bisher nur zeitweise verfügbare Familienticket bleibt dauerhaft. Gleichzeitig dämpft Bahnchefin Evelyn Palla die Hoffnung auf schnelle Verbesserungen im Zugverkehr wegen des maroden Schienennetzes.

heute 00:02 Uhr | 2 mal gelesen

Kein Scherz, ab November wird aus dem bislang befristeten Familienticket der Deutschen Bahn ein festes Angebot. Stolze 99,99 Euro kostet die Hin- und Rückfahrt für Familien, ICE-Reservierung inklusive – zumindest laut Bahnvorsitzender Evelyn Palla, die sich in der „Bild am Sonntag" dazu äußerte.

Aktion wird Standard

Familien, die sonst beim Ticketkauf Matheaufgaben lösen müssen, könnten damit durchschnaufen. Das Ticket war eigentlich ein Sommer-Experiment, aber weil die Nachfrage das sprichwörtliche Dach sprengte, bleibt es. Der offizielle Verkauf startet am 26. Oktober, gültig dann ab 1. November – und das alles zu den bekannten Konditionen.

Mehr Familien auf Schienen

Palla berichtet ziemlich stolz, dass allein wegen dieses Angebots 100.000 Familien mehr im Zug saßen als vergangenes Jahr. Man könnte fast meinen, der sprichwörtliche „Waggon voll glücklicher Kids" sei inzwischen Realität. Mit dem Ticket bündelt die Bahn Hin- und Rückreise plus Sitzplatzreservierung zum Pauschalpreis; ein recht durchschaubares, familienfreundliches Paket.

Pünktlichkeit bleibt die große Baustelle

Machen wir uns aber nichts vor: Wer Weißwurst und Verspätung liebt, wird auch weiterhin auf seine Kosten kommen. Laut Palla ist das Netz so marode und überaltert, dass erst nach Jahren wirklich Besserung in Sicht ist. Hitzewellen kicken das ganze System zusätzlich ins Aus, Weichen und Technik geben bei 35 Grad plus einfach gern mal den Geist auf.

Licht am Ende des Tunnels? Noch fern

Die Chefin bleibt ehrlich – das Chaos der vergangenen Jahrzehnte lässt sich nicht mit ein bisschen Farbtopf und gutem Willen in zwei Jahren fixen. Mindestens zehn Jahre, so Pallas Prognose, wird die Sanierung dauern. Erst wenn große Teile wirklich neu sind, wird Pünktlichkeit wieder etwas, auf das man wetten könnte.

Preisoffensive vs. Modernisierungsstau

Das Familienticket ist so etwas wie „Rahm auf dem alten Kaffee“: Eine kluge Maßnahme, die preisbewussten Familien hilft – doch der Sanierungsbedarf ist riesig. Auf der Strecke Berlin-Hannover etwa rollen Generalunternehmen seit 2. Oktober 2026 mit schwerem Gerät an. Umleitungen, Verspätungen und rund 80 Minuten mehr auf der Uhr werden bis Ende 2027 zum Alltag gehören.

Wer trägt die Folgen?

Für Fahrgäste bedeutet das: Erst einmal werden die Baustellen sichtbarer als der Fortschritt. Beispiel Berlin–Hannover: Mehr als 400 Reise- und 90 Güterzüge pro Tag werden betroffen sein. Die langfristige Hoffnung auf moderne Infrastruktur kollidiert gehörig mit dem momentanen Frust über endlose Umleitungen und Unpünktlichkeit.

Realistische Prognosen statt Versprechen

Auch politisch prallen Erwartungen aufeinander. Verkehrsminister Steffen Bilger sieht zum Beispiel erst ab 2029 Licht am Horizont: Dann sollen 70 Prozent der Fernzüge pünktlich rollen – sofern alles läuft wie geplant. Doch Pallas realistische Einschätzung legt den Finger in die Wunde: Selbst Geld und Tempo helfen nicht, wenn Jahrzehnte der Vernachlässigung nachwirken. Ironisch: Selbst ein günstiges Familienticket fährt nicht über kaputte Schienen.

Neues Familienticket und Bahninfrastruktur am Limit

Die Deutsche Bahn integriert das Familienticket dauerhaft ins Angebot – das heißt: Familien können für 99,99 Euro inklusive ICE-Reservierung hin und zurück fahren. Die Aktion, die bereits 2023 getestet wurde, führte nach Bahnangaben zu 100.000 zusätzlichen Familienreisen und zielt darauf ab, Bahnfernreisen familienfreundlicher zu machen. Gleichzeitig bleibt die Pünktlichkeit das größte Problem: Laut aktuellen Medienberichten liegt die durchschnittliche Pünktlichkeit der DB aktuell bei nur etwa 65 Prozent im Fernverkehr, geplante Sanierungen – wie zwischen Berlin und Hannover – führen bis mindestens 2027 zu weiteren Verschiebungen und Unannehmlichkeiten; erste messbare Besserungen werden frühestens ab 2029 erwartet.

Aktuelle Pressestimmen im Überblick

- Ein Artikel bei Zeit Online beschäftigt sich mit der drohenden Streikwelle bei der Bahn und analysiert, wie das prekäre Netz und die Modernisierungsmaßnahmen auch das Betriebs- und Arbeitsklima beeinflussen. Schwerpunkt: Frust der Mitarbeiter wird stärker, Planungssicherheit für Reisende bleibt gering.

- Bei der Süddeutschen Zeitung wird das Familienspecial als „kleines Licht in düsteren Zeiten“ gefeiert, aber auch kritisiert, dass trotz Preisooffensive für Vielreisende die Unzuverlässigkeit viele Familien abschreckt. Die Redaktion fordert mehr Transparenz darüber, wie Fördergelder eingesetzt werden.

- Die FAZ analysiert, warum das Sanierungsprogramm in der Praxis zu noch mehr Baustellenfülle führt: Ein Teufelskreis, knappe Ressourcen treffen auf alte Infrastruktur. Investitionen in neue Technik werden hier als dringend nötig beschrieben – so bleibt das Familienticket vorerst ein Trostpflaster.

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