Bund bessert nach: Keine Fixkostendegression bei Hausärzten ab 2027

Der Plan, Hausarzt- sowie Kinder- und Jugendpraxen für zusätzliche Leistungen finanziell zu benachteiligen, wird zurückgezogen. Die Koalition will die Fixkostendegression noch vor Inkrafttreten 2027 aus dem Gesetzespaket streichen.

heute 01:02 Uhr | 2 mal gelesen

Das Hin und Her um die Vergütung von Haus- und Kinderärzten nimmt eine unerwartete Wendung: Nach offenbar heftiger Kritik aus dem Medizinermilieu und teils sogar aus den eigenen Reihen rudern Union und SPD zurück. Die Fixkostendegression – dieser komplizierte Begriff, eigentlich eine Art Strafrabatt für Praxen, die mehr als eine bestimmte Menge an Patienten behandeln – ist gekippt.

Deckel war geplant – und wird gestrichen

Bisher sah das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (oft sperrig als BStabG abgekürzt) vor, dass Praxen mit hohem Patientenaufkommen ab einer gewissen Grenze Abschläge bei der Vergütung hinnehmen müssten. Der Gedanke dahinter war wohl, Kostenexplosion einzudämmen und den Beitragssatz stabil zu halten. Aber irgendwie fühlt sich das an, als würde man Feuerwehrleuten die Schläuche kürzen, nur weil sie zu viel Wasser verbrauchen. Patienten, die keinen Arzttermin finden, hätten jedenfalls herzlich wenig davon.

Widerstand aus Praxis und Politik

SPD-Gesundheitspolitiker wie Christos Pantazis betonen nun, dass ein solches Modell völlig falsche Signale setzen würde. Gerade Praxen, die Lücken in der Versorgung schließen, brauchen mehr – nicht weniger – Anreize, zusätzliche Patienten aufzunehmen. Neben der Degression stehen weitere Nachbesserungen im Gesetzespaket: etwa bei der psychotherapeutischen Versorgung und der Informationspflicht der Kassen an Versicherte bei Zusatzbeitragsanstiegen. Darüber wurde in der Öffentlichkeit übrigens wenig gesprochen, obwohl es viele betrifft.

Ringen um Stabilität und Versorgung

Interessanterweise bleibt das große Ziel im Raum: Der Anstieg der Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung soll trotzdem gebremst werden. Dazu gehören unter anderem 550 Millionen Euro Soforthilfe für Krankenhäuser. Es bleibt also ein Balanceakt zwischen Sparhaushalt und gesellschaftlicher Daseinsvorsorge. Kommissionen beraten, Gesetzespassagen werden geändert – ein bisschen erinnert das an ein Schachspiel, bei dem jede Figur ein gesundheitspolitisches Ziel verkörpert.

Fixkostendegression: Symbol für Zielkonflikte

Die Debatte um die Abschläge ist nämlich bezeichnend für das größere Dilemma: Will man kurzfristig beim Geld sparen oder mittel- bis langfristig die Versorgung sichern? Eigentlich müsste beides gehen, doch die politischen Linien verlaufen oft quer. Praxen können bei steigenden Patientenzahlen nicht einfach die Kosten einfrieren, zumal gerade Personal oder Verbrauchsmittel nicht billiger werden. Manche Ärzte sagen schon jetzt, dass sie es sich zweimal überlegen, neue Patienten aufzunehmen – ein fatales Signal angesichts voller Wartezimmer.

Fazit – und offene Fragen

Die Koalition will das Gesetzespaket noch im Oktober durchbringen; entscheidend ist am Ende die Umsetzung im Alltag. Bleibt es wirklich beim Plan, und welche Kompromisse folgen im Schatten der aktuellen Einsparungen? All das bleibt zu beobachten – und irgendwo bleibt das Gefühl, dass noch längst nicht alles abschließend geklärt ist.

Fixkostendegression fällt – was ändert sich wirklich?

In einem überraschenden Schritt zieht die Koalition ihre umstrittene Regelung zurück. Künftig werden Haus- und Kinderarztpraxen also nicht mehr ab einer bestimmten Patientenzahl mit Abschlägen belegt – ein Punkt, der von vielen Medizinern als überfällig gewertet wird.

Weitere Details und aktuelle Entwicklungen

In den letzten zwei Tagen wurde über weitere geplante Änderungen im Gesundheitsbereich berichtet: Neben der Abschaffung der Fixkostendegression steht besonders die finanzielle Unterstützung für Krankenhäuser im Fokus. Zugleich wächst außerhalb des Scheinwerferlichts die Kritik am Reformtempo sowie an vorherigen Sparmaßnahmen, die Praxen und Kliniken gleichermaßen belasten (Quelle: FAZ).

Nach umfangreichen Beratungen signalisieren sowohl SPD als auch Union die Bereitschaft, nicht nur die Fixkostendegression zu streichen, sondern auch bei anderen gesundheitspolitischen Baustellen nachzubessern – darunter die psychotherapeutische Versorgung und die Information der Versicherten bei Beitragserhöhungen. Dennoch bleibt unklar, wie am Ende die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig gestützt werden soll, wenn gleichzeitig Versorgungslücken vermieden werden müssen (Quelle: ZEIT).

Ergänzende Recherchen aus tagesaktuellen Medien

  • Die Spiegel berichtet, dass die Pläne als wichtiges Signal für das Gesundheitswesen gewertet werden, besonders mit Blick auf den Ärztemangel in ländlichen Regionen. Ärzteverbände begrüßen den Vorstoß, sichern sich aber ab – noch fehle es an Details, wie etwa mit Praxen in Ballungszentren umgegangen wird.

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