Eigentlich wollte man die neu entstehende Litauen-Brigade der Bundeswehr nur mit Freiwilligen besetzen. Das Heer hatte bislang immer betont, dass niemand gegen seinen Willen entsandt werde. Doch jetzt bröckelt dieses Versprechen: "In erster Linie bleibt Freiwilligkeit bestehen – aber wo es nötig ist, greifen verpflichtende Maßnahmen", sagte Generalleutnant Christian Freuding gegenüber der 'Welt'. Viele Soldaten haben sich für diesen Einsatzort gemeldet, aber offenbar nicht genug. Also wird nun doch auf Zuweisungen zurückgegriffen, das aber, so heißt es, immer im Austausch mit den Betroffenen. Das Verteidigungsministerium schließt einen gewissen Zwang nicht mehr aus und betont, dass der Aufbau und die Einsatzfähigkeit der Brigade am Ende vorgehen – die Aufgabe sei schließlich gemeinschaftlich wichtig.
Womit wir beim Kern wären: Das Projekt ist erklärtes Prestigevorhaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Bislang stehen knapp 1.800 Bundeswehr-Angehörige in Litauen – bis 2027 sollen es fast 5.000 plus 200 zivile Mitarbeitende werden, was eine enorme logistische Leistung ist. Genaue Zahlen, wie viele Soldaten bislang freiwillig zugesagt haben, hält das Ministerium jedoch zurück. Zusätzlich gibt es Streit um die Kohle: Der steuerfreie Auslandszuschlag für einige Standorte Litauens wurde offenbar zu hoch berechnet, wegen eines Rechenfehlers. Zum 1. Juli wird dies nun korrigiert – und der Zuschlag für betroffene Soldaten fällt niedriger aus. Das sorgt natürlich für Unmut. Das Ministerium prüft jetzt wohl Möglichkeiten, um den zu erwartenden Frust der Soldaten mit passenden Maßnahmen abzufedern.
Die Bundeswehr weicht bei der Besetzung der in Litauen stationierten Brigade von ihrem bisherigen Kurs ab, ausschließlich Freiwillige einzusetzen, und greift nun im Bedarfsfall auf verpflichtende Personalzuweisungen zurück. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines ehrgeizigen Aufwuchsziels: Bis 2027 soll der Kontingent von aktuell etwa 1.800 auf rund 4.800 Soldaten wachsen, zusätzlich wird die Brigade durch Zivilangestellte ergänzt. Zugleich steht der finanzielle Anreiz auf dem Prüfstand, da der Auslandszuschlag für Litauen auf manchen Dienststellen versehentlich zu hoch ausfiel und ab Sommer 2025 angepasst – sprich reduziert – wird. Laut aktuellen Medienberichten wird in Deutschland grundsätzlich über Auslandseinsätze und deren Personalpolitik diskutiert, wobei die politische und gesellschaftliche Akzeptanz für dauerhafte internationale Verpflichtungen unter Druck steht. Die Bundesregierung und die Bundeswehr stehen vor der Herausforderung, die Attraktivität des Auslandsdienstes trotz sinkender Sonderzahlungen und der zunehmenden Pflicht-Komponente aufrechtzuerhalten. Erst kürzlich wurde auch über zunehmende Belastungen der Truppe bei parallel laufenden Einsätzen in Europa berichtet, wodurch eine offene Debatte zum Umgang mit Freiwilligkeit, Motivation und Zwang angestoßen wurde.