CDU-Politiker Krings äußert deutliche Kritik an Zusammensetzung der Prostitutions-Kommission

Günter Krings, Vizefraktionschef und Frauenpolitiker der CDU, hat die von Familienministerin Karin Prien einberufene Expertengruppe zur Reform des Prostitutionsgesetzes scharf ins Visier genommen. Er wirft der Kommission vor, einseitig besetzt zu sein, insbesondere im Zusammenhang mit Diskussionen um das sogenannte „Nordische Modell“.

heute 16:12 Uhr | 2 mal gelesen

Aus Krings‘ Sicht ist der Vorsitz der Kommission ein besonders wunder Punkt: Der Chef des Gremiums habe schon früher Erkenntnisse publiziert, die Krings als äußerst fragwürdig bezeichnet. Nun stehe dieser Experte quasi auf beiden Seiten des Tisches – als Studienautor und Vorsitzender. Der Evaluationsbericht seiner Forschung beziehe sich laut Krings fast ausschließlich auf etwa 2.000 legal registrierte Prostituierte – mit Ergebnissen, die manche überraschen: So gäbe es laut Umfrage einen auffällig hohen Anteil Hochschulabsolventinnen und einen Großteil mit Krankenversicherung. "Das klingt für mich befremdlich, fast weltfremd", so Krings. Er hält diese Zahlen für wenig repräsentativ und ist überzeugt: Die eigene Studie greift zu kurz, sie zeigt nur die Spitze eines privilegierten Teils. Nach Krings schätzung sind wohl nur zehn Prozent der Frauen überhaupt offiziell angemeldet – entsprechend sieht er in den Resultaten der Kommission ein verzerrtes Bild. Er verweist zudem auf die geringe Zahl fest angestellter Prostituierter: "Ich glaube einfach nicht daran, dass die Kommission die Realität abbildet." Die Enttäuschung in der Union sei daher von Anfang an groß gewesen.

Krings zeigt sich äußerst skeptisch gegenüber der aktuellen Arbeit und Ausrichtung der von Familienministerin Prien eingesetzten Kommission zur Neuausrichtung des Prostitutionsgesetzes. Es gebe zu viele methodische Schwächen und eine klare Schieflage im Blick auf die Realität, so Krings – insbesondere da die Mehrheit der Prostituierten nach wie vor nicht angemeldet ist und somit in Statistiken unterrepräsentiert bleibt. In aktuellen Medienberichten wird das Thema kontrovers diskutiert: Manche Stimmen begrüßen das Verfahren als notwendigen Fortschritt im Schutz von Sexarbeitenden, andere bangen vor einer Verschärfung der Lebensrealität durch ein mögliches Verbot oder das „Nordische Modell“. Jüngste Artikel etwa im Spiegel und in der Süddeutschen heben hervor, dass das Thema weiterhin polarisiert und sowohl Politiker, als auch Betroffene und Experten die Debatte unterschiedlich gewichten.

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