Überraschend positive Töne im sonst eher von Krisenmeldungen geprägten Chemiesektor: Laut aktuellem Geschäftsklimaindex vom Ifo-Institut kletterte das Barometer im Juni deutlich nach oben – auf nunmehr -17,8 Punkte, nachdem im Mai noch tiefrote -29,0 das Bild bestimmten. Unternehmen bewerteten ihre Lage deutlich freundlicher als zuletzt. Besonders auffällig: Das Urteil über die aktuelle Geschäftslage kletterte von -16,5 auf -2,9 Punkte. Und auch der Blick nach vorn ist nicht mehr ganz so düster; statt -40,7 notiert der Erwartungswert nun bei -31,5.
"Die leichte Entspannung der Energiepreise und ein Rückgang diverser Vorproduktkosten geben – im Schatten des abflauenden Konflikts im Nahen Osten – momentan Rückenwind", fasst Ifo-Expertin Anna Wolf zusammen. Sie ergänzt: Ein Sondereffekt bei internationalen Handelsströmen kurbelt die Entwicklung an. Da Lieferketten aus Asien und dem Nahen Osten nach wie vor stottern, greifen viele Kunden wieder vermehrt auf deutsche Lieferanten zurück. Von Entwarnung ist trotzdem keine Rede: Zwar zog das Auftragsvolumen im Juni erneut leicht an und die Produktion bleibt stabil, doch die Lieferlage bei Vorprodukten bleibt ein kritischer Engpass. Zudem erwarten viele Firmen steigende Preise – so schnell wird der Aufschwung also nicht zur Rückkehr zur alten Stärke. Immerhin: Die Hoffnung auf mehr Exporte lebt wieder auf, mit einem verbesserten Saldo von -4,8 gegenüber -16,1 Punkte im Mai. Insgesamt bleibt die Stimmung vorsichtig optimistisch – der langersehnte Silberstreif ist in Sicht, aber Skepsis bleibt angebracht.
Das Geschäftsklima in der deutschen Chemiebranche verbessert sich zum ersten Mal seit Monaten spürbar, wie das Ifo-Institut berichtet. Experten machen vor allem sinkende Energiepreise, den Rückgang der Materialkosten sowie die aktuelle Verlagerung von Nachfrage aus dem internationalen Handel dafür verantwortlich – unter anderem, weil asiatische Lieferströme weiter gestört sind. Dennoch mahnt die Branche zur Vorsicht: Die Versorgung mit Vorprodukten bleibt angespannt, und viele Unternehmen rechnen mit steigenden Preisen, was eine nachhaltige Erholung bislang verhindert.
Weitere Recherche ergab: Die chemische Industrie steht unter anhaltendem Spardruck und verabschiedet sich laut Süddeutscher Zeitung zunehmend aus der deutschen Produktion, während neue Klimaschutz-Vorgaben sowie eine schwankende Nachfrage die Lage verschärfen. Auf den internationalen Märkten zeigt sich eine anhaltende Verschiebung der Handelsströme: Das Handelsblatt berichtet über eine vermehrte Nachfrage nach europäischen Chemieerzeugnissen infolge geopolitischer Unsicherheiten. Laut Zeit Online versuchen Hersteller, ihre Geschäftsmodelle durch Investitionen in nachhaltige Produktion und neue Technologien resilienter zu gestalten, stoßen aber auf Bürokratie und politische Unsicherheiten.