Chemieindustrie: Geschäftsklima rutscht auf einen neuen Tiefpunkt

Im April hat sich die Stimmung in der deutschen Chemiebranche spürbar verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex, den das Ifo-Institut erhebt, ist von -25,1 Punkten im März auf -29,0 gefallen.

heute 07:44 Uhr | 4 mal gelesen

So düster war die Lage in der deutschen Chemiebranche seit beinahe drei Jahren nicht mehr. Zumindest, wenn man der aktuellen Einschätzung der Unternehmen Glauben schenkt: Ihre Geschäftssituation bewerten sie jetzt mit -27,1 Punkten, was zwar ein bisschen weniger schlecht ist als noch im März, aber wirklich positiv klingt anders. Besonders auffällig sind die drastisch eingebrochenen Erwartungen – sie rauschten von -18,6 auf -30,9 Punkte nach unten. Ifo-Expertin Anna Wolf bringt das Unbehagen auf den Punkt: Die Unternehmen sehen ihrer Zukunft aktuell ausgesprochen skeptisch entgegen, auch wenn in manchen Bereichen die Auftragslage kurzfristig besser aussieht. Die Situation auf den Weltmärkten, angetrieben unter anderem von geopolitischen Unsicherheiten wie der Iran-Krise, führt zu bizarren Nebeneffekten: Während einige Betriebe von mehr Bestellungen berichten – Kunden setzen zunehmend auf heimische Produzenten –, geraten etliche zugleich ins Schleudern wegen Materialengpässen. Tatsächlich rechnet etwa jedes dritte Unternehmen mit Versorgungsproblemen und weiter steigenden Preisen für Chemikalien. Spannenderweise glauben die meisten in der Branche aber nicht an eine nachhaltige Erholung: Vielmehr soll die Produktion in nächster Zeit eher wieder zurückgefahren werden, und beim Personal bleibt man vorsichtig. Die leichte Besserung in den Zahlen sei lediglich ein kurzfristiges Flackern, ausgelöst durch den Turbulenzen der Lieferketten – von einer wirklichen Trendwende könne, so Wolf, keinerlei Rede sein.

Der deutsche Chemiesektor steckt aktuell in einem regelrechten Stimmungstief, hervorgerufen durch globale Unsicherheiten, Lieferkettenprobleme und letztlich wacklige Erwartungen für die nahe Zukunft. Obwohl die Nachfrage kurzfristig zugelegt hat – nicht zuletzt wegen zunehmender Rückbesinnung auf Produkte aus Deutschland – prägen Materialmangel und Preissteigerungen das Bild; vor allem die Konflikte im Nahen Osten und globale Handelsstörungen sorgen für zusätzliche Unsicherheit. Neue Branchendaten, darunter auch aktuelle Zahlen des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), bestätigen das Bild: Produktion und Exporte schrumpfen, viele Firmen sind anhaltend pessimistisch, und eine grundlegende Entspannung ist kurzfristig nicht absehbar. Nach aktuellen Medienberichten von DW, Zeit und Spiegel sind die steigenden Energiepreise, die wachsenden Sorgen um eine Deindustrialisierung Deutschlands und die schleppende weltweite Nachfrage zentrale Belastungsfaktoren – die deutsche Chemieindustrie steht vor einem Wandel, den sie bislang eher ausbremst als aktiv formt.

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