Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl derjenigen, die ohne Arbeit sind, deutlich erhöht: 170.000 zusätzliche Erwerbslose, also insgesamt 1,7 Millionen, was einen Anstieg von gut 11 Prozent bedeutet. Auch bei der sogenannten Stillen Reserve, also Menschen, die zwar gerne arbeiten würden, momentan aber nicht aktiv suchen oder aus bestimmten Gründen nicht verfügbar sind, gibt es einen Zuwachs von etwa 70.000. Interessant: Nicht alle, die eine Stelle wollen, gelten als arbeitslos. Wer in letzter Zeit nicht aktiv gesucht oder nicht direkt zur Verfügung steht, fällt in diese „stille“ Kategorie.
Geschlechtsspezifisch zeigen sich auffällige Verteilungen: Unter den Erwerbslosen dominieren die Männer (rund 57 Prozent), während die Stille Reserve vor allem von Frauen (gut 55 Prozent) geprägt ist. Die Qualifikationen sind oft überraschend hoch: Fast sieben von zehn Menschen ohne Job oder in der Stillen Reserve haben eine abgeschlossene Ausbildung oder ein höheres Bildungsniveau. Besonders auffällig ist dies bei Frauen (über 72 Prozent unter den Erwerbslosen), aber auch bei Männern liegen die Werte recht hoch.
Ein Blick auf die 25- bis 59-Jährigen zeigt erhebliche Unterschiede bei den Beweggründen, kein Jobangebot anzunehmen: Frauen nennen Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen als Hauptgrund (fast jede dritte Frau in der Stillen Reserve); bei den Männern spielen Betreuungspflichten kaum eine Rolle. Sie wiederum geben fast doppelt so oft wie die Frauen gesundheitliche Probleme als Haupthemmnis für eine Erwerbstätigkeit an. All das wirkt sich nicht nur auf individuelle Lebensläufe, sondern auch auf das große Bild am Arbeitsmarkt aus.
Mitten in diesen Zahlen stecken Schicksale – und auch eine Vielzahl ungenutzter Talente.
Der Arbeitsmarkt in Deutschland bleibt auch 2025 angespannt: Mit fast fünf Millionen Personen, die sich eine Erwerbstätigkeit wünschen, setzt sich der Trend der letzten Jahre fort, bei dem sowohl die Zahl der Erwerbslosen als auch die der Stillen Reserve steigt. Laut aktuellen Medienberichten und Experteneinschätzungen verschärft insbesondere die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere für Frauen, die Situation, während gesundheitliche Gründe vor allem Männer aus dem Arbeitsleben fernhalten. Hinzu kommt, dass viele gut qualifizierte Menschen untätig bleiben, ein Fakt, der angesichts des Fachkräftemangels auf dem deutschen Arbeitsmarkt besonders ins Gewicht fällt und auf strukturelle Hürden beim Wiedereinstieg in den Beruf hinweist. Zahlreiche Hintergrundberichte der letzten Tage thematisieren außerdem die Belastung durch konjunkturelle Unsicherheiten und die Herausforderung, wie Digitalisierung oder Automatisierung Langzeitarbeitslose oder die Stille Reserve stärker einbinden können.