Reiseanbieter übernehmen Mehrkosten – vorerst keine Nachforderungen bei Kerosin-Anstieg

Obwohl Kerosin teurer wird, planen führende deutsche Reiseunternehmen derzeit keine nachträglichen Preisaufschläge für bereits gebuchte Trips.

heute 06:50 Uhr | 2 mal gelesen

Überraschend einig, fast partnerschaftlich, zeigen sich Deutschlands große Reiseveranstalter im Umgang mit den aktuell explodierenden Kerosinkosten: So bestätigt zum Beispiel Tui gemeinsam mit Alltours und Dertour dem 'Tagesspiegel', dass Kundinnen und Kunden für bereits fest gebuchte Urlaubsreisen nicht zur Kasse gebeten werden – zumindest nicht im Nachhinein. Das klingt erstmal erleichternd, aber bei genauerem Hinsehen steckt darin auch eine beunruhigende Offenheit für kommende Preisanpassungen. Christoph Debus, Chef bei Dertour-Group (Rewe-Touristik), gibt sich ehrlich: Noch ist unklar, wie lange die Branche steigende Treibstoffpreise schlucken kann. Bleibt das Barrel Kerosin in solchen Höhen, müsse man für neue Buchungen mit Kostensteigerungen rechnen. Das deutsche Reiserecht erlaubt es übrigens, Preise anzupassen, beispielsweise bei gestiegenen Treibstoffkosten – allerdings spätestens 20 Tage vor Reiseantritt. Übersteigt der Zuschlag acht Prozent, greift das Sonderrücktrittsrecht, was im Grunde wie ein Ventil wirkt. Komplette Reiseausfälle stehen allerdings laut Tui-Sprecher Dünhaupt derzeit nicht zur Debatte. Auch von Seiten Alltours gibt es Entwarnung – man rechne damit, dass Sommer-Auszeiten wie gebucht stattfinden. Sollte es dennoch aus gerechnetem Kerosinmangel zu Flugplan-Schachereien kommen, will Dertour die Reisenden frühzeitig informieren und möglichst geschickt umplanen. Da lobt man sich plötzlich die Pauschalreise – selten so ein ruhiges Backup gehabt.

Die größten deutschen Reiseveranstalter wie Tui, Alltours und Dertour sichern aktuell zu, für bereits gebuchte Reisen keine nachträglichen Preisanpassungen wegen steigender Kerosinpreise vorzunehmen. Jedoch könnten neue Buchungen künftig teurer werden, sollte das hohe Preisniveau beim Kerosin anhalten; das deutsche Reiserecht erlaubt Preiserhöhungen, sofern Kund:innen rechtzeitig informiert werden und ab einem Zuschlag von über acht Prozent ein Sonderkündigungsrecht besteht. Laut aktuellen Recherchen melden mehrere Branchenmedien, dass die steigenden Energiepreise viele Unternehmen nun zwingen, ihre Kalkulationsmodelle zu überdenken – das betrifft nicht nur Flüge, sondern auch Hotelpreise und Nebenkosten; außerdem hat sich gezeigt, dass einige kleinere Anbieter bereits gezwungen sind, ihre Angebote zu reduzieren oder Termine zu verschieben, während die großen Player den Druck bisher noch selbst kompensieren. Außerdem zeigen neuere Berichte, dass einige Fluggesellschaften trotzdem heimlich in den Nebenkosten Anpassungen vornehmen, etwa durch höhere Gepäckgebühren oder neue Zusatzentgelte für einzelne Service-Leistungen. Verbraucherzentralen empfehlen daher derzeit, Angebote genau zu prüfen und sich die Bedingungen für mögliche Nachzahlungen und Rücktritte aufmerksam durchzulesen. Aktuell gibt es aber keine Anzeichen für eine Welle an Reiseausfällen im Sommer 2024 – im Gegenteil: die Zahl der Buchungen für Sommer- und Herbsturlaub bleibt laut mehreren Portalen stabil, was Branchenvertreter optimistisch für den weiteren Verlauf der Saison macht.

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