Würde ich regelmäßig Bahn fahren, ich glaube, ich käme inzwischen mit einem Koffer voller Geduld auf den Bahnhof – und vermutlich trotzdem zu spät ans Ziel. Ehrlich gesagt: Da hilft es mir auch wenig, wenn Bahnchefin Evelyn Palla sich hinstellt und verkündet, die Preise blieben jetzt erstmal ein Jahr lang stabil. Genau das hat sie gemacht, als Reaktion auf die anhaltende Energiekrise. Für Detlef Neuß, der sich als Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn seit Jahren damit beschäftigt, wie die Bahn in Deutschland besser werden könnte, reicht das aber längst nicht aus. Ihn stört nicht nur das klassische Ärgernis der Fahrgäste – ständige Verspätungen, ausfallende Züge. "Preise nicht erhöhen klingt gut, ist aber bei den aktuellen Leistungen der Bahn das absolute Minimum", findet Neuß und setzt noch eins drauf: "Eigentlich müssten die Preise momentan sogar sinken – wenigstens vorübergehend." Das Thema ist ja vielschichtig – längst sind im Fernverkehr keine fixen Preise mehr üblich, sondern das Tarifsystem springt munter zwischen vergriffenen Sparpreisen, Auslastungszuschlägen und Streckenboni. So ganz klar ist jedenfalls nicht, was dieses "keine Preiserhöhung" überhaupt konkret für Reisende bedeutet. Und ehrlich: Wenn der Zug schon wieder ausfällt, kommt es aufs Kleingedruckte bei den Tarifen dann auch nicht mehr an. Vielleicht ist das nicht nur ein Bahn-Problem, sondern auch ein Kommunikationsproblem. Und vielleicht ist die Geduld der Fahrgäste ohnehin das eigentlich Beeindruckende an der ganzen Geschichte.
Kurz gesagt: Pro Bahn hält das Einfrieren der Fahrpreise im Fernverkehr für unzureichend – vor allem angesichts vieler Verspätungen und Zugausfälle. Ehrenvorsitzender Detlef Neuß fordert sogar eine zeitweise Preissenkung, weil das Leistungsniveau der Bahn gerade keine höheren Preise rechtfertige. Außerdem bleibt unklar, wie sich das Tarifsystem mit flexiblen Preisen tatsächlich auf Reisende auswirkt, wenn angeblich keine Preiserhöhungen vorgesehen sind. Zusätzlich: Laut jüngsten Recherchen und weiteren Berichten haben die Deutsche Bahn und auch andere europäische Bahnunternehmen weiterhin mit massiven Verspätungen, Personalmangel und Streikfolgen zu kämpfen, was die Debatte um Preissenkungen verstärkt. Die Maßnahmen im Fernverkehr wirken laut Fahrgastvertretern für viele eher wie ein Placebo, denn die Kundenzufriedenheit ist aktuell auf einem Tiefpunkt. Laut aktuellen Nachrichtenquellen wächst der Druck auf die Bahn, schnellen und realen Kundennutzen zu schaffen, zumal weitere kostenintensive Bauarbeiten in den kommenden Monaten erwartet werden und die Inflation Reisen ohnehin verteuert (s. Artikel-Quellen).