„Es ist nun mal so: Jeder Sektor muss sich beteiligen, wenn wir das Gesundheitssystem nachhaltiger machen wollen“, gab Warken in einem Interview mit der Funke Mediengruppe zu Protokoll. Eine Extrawurst für die Pharmaindustrie lehnte sie unmissverständlich ab – die geplanten Einsparungen müssten umgesetzt werden, auch wenn große Namen wie Eli Lilly oder Boehringer Ingelheim nun ihre Investitionen kritisch überdenken. Warken ließ sich davon wenig beeindrucken und betonte, ihr Ministerium habe einen balancierten Ansatz gefunden, der niemanden zu hart trifft.
Gleichzeitig zeigte sie sich nicht vollkommen unempfänglich für die Probleme der Branche: Viele Unternehmen stünden tatsächlich ökonomisch unter Druck, das werde durch das Gesetz auch nicht leichter. Allerdings, so Warken, habe Deutschland weiterhin Standortvorteile – beispielsweise die Erstattung von Arzneimitteln übers GKV-System, recht gute Forschungsbedingungen und Möglichkeiten für klinische Studien. Die Pharmastrategie der Regierung solle zudem dafür sorgen, dass Investitionen planbarer werden. Sie versprach, Vorschläge aus der Branche genau anzusehen.
Warnungen, die Reform könne negative Folgen für Patientinnen und Patienten haben, wies die Ministerin dagegen strikt zurück. Die Pharmaunternehmen profitierten nach wie vor von einem großen und stabilen Markt, zugleich müsse aber auch die Krankenversicherung finanziell handlungsfähig bleiben. Zudem könnten Hersteller die Einführungspreise neuer Medikamente im ersten halben Jahr nach Marktstart weiterhin selbst bestimmen. „Im internationalen Vergleich haben wir immer noch den schnellsten Zugang zu neuen Arzneien“, so Warken. Für internationale Unternehmen bleibt Deutschland laut ihr ein Schlüsselland.
Nina Warken zeigt sich unbeeindruckt von der massiven Kritik der Pharmaindustrie an der GKV-Finanzreform und drängt darauf, dass auch dieser Sektor Einsparbeiträge leisten muss. Obwohl große Konzerne mit Investitionsrückzug drohen, betont sie, Deutschland bleibe trotz Sparkurs forschungs- und investitionsfreundlich – unter anderem durch den schnellen Zugang zu neuen Arzneimitteln und bestehende GKV-Erstattungen. Warken signalisiert allerdings, dass die Regierung in Zukunft branchenspezifische Hürden wie mangelnde Investitionsplanbarkeit gezielter angehen will, etwa durch die angekündigte Pharmastrategie.
Am 04.04.2024 wurde bekannt, dass das Bundeskabinett seine Pläne für die GKV-Finanzstabilisierung trotz internationaler Kritik weiterverfolgen will, um das System langfristig tragfähig zu halten. Ähnliche Stimmen aus der Forschung betonen, dass die Reform notwendig sei, um die extrem gestiegenen Kosten im Arzneimittelbereich in den Griff zu bekommen. Neuere Debatten drehen sich darüber hinaus um die Frage, wie der Spagat zwischen Kostendämpfung und Innovationsfähigkeit gelingen kann, etwa durch eine stärkere Verzahnung von digitaler Versorgung und Biotechnologie.