Der Umbruch im Auswärtigen Amt hat inzwischen wirklich Fahrt aufgenommen, wie unter anderem der "Spiegel" berichtete. Die groß angelegte Reform, die von Minister Johann Wadephul (CDU) angestoßen wurde, zieht ziemlich weitreichende Veränderungen nach sich. Die neuen E-Mail-Adressen – im ersten Moment klingt das fast harmlos – sind nur das sichtbarste Zeichen für einen viel tiefer gehenden Umbau. So sollen nicht nur Referate oder Abteilungen namentlich verändert und Mitarbeiter munter von einem Büro ins nächste gezogen werden. Ganze organisatorische Einheiten verschwinden, während andere durch Fusion entstehen oder neu entstehen. Laut Auswärtigem Amt werden insgesamt vier Unterabteilungen und neun Referate wegfallen, der bisherige Zuschnitt gilt dann schlicht nicht mehr. Politisch brisant ist sicherlich der Machtverlust des Politischen Direktors – plötzlich ist er für bedeutende Länderdossiers wie USA oder Kanada nicht mehr zuständig, denn die wandern in die nun gemeinsam geführte Amerika-Abteilung. Das Referat für Russland und Ukraine wechselt dagegen zur Europa-Abteilung. Während altgediente Diplomaten dies als Schwächung des Direktors interpretieren, hält das Ministerium dagegen: Der Politische Direktor – aktuell Dominik Mutter – spiele weiterhin eine Schlüsselrolle für sicherheitspolitische Fragen. Die treibenden Kräfte hinter der Reform, Géza Andreas von Geyr und Bernhard Kotsch, beide Staatssekretäre, stehen dabei allerdings intern in der Kritik. Manche meinen, sie hätten zu lange fernab der Zentrale gedient und könnten deswegen einige interne Abläufe schlicht unterschätzen. Fakt ist: Solche Umwälzungen bleiben nicht ohne Reibungsverluste – und das Echo im Haus reicht von vorsichtiger Akzeptanz bis zu handfestem Unmut. Doch das Ministerium bleibt dabei: Die veränderte Welt – und Europa sowieso – zwingt den Auswärtigen Dienst zu neuen Wegen und flexiblerem Arbeiten.
Das Auswärtige Amt erlebt gerade den gravierendsten strukturellen Wandel seit Jahren, bei dem nicht nur E-Mail-Adressen, sondern tiefgreifend Organisationsstrukturen, Ressorts und Verantwortlichkeiten überarbeitet werden. Interessant ist dabei, dass neben der technischen und logistischen Dimension – etwa dem Wechsel der Mailadressen – offenbar auch ein Machtgefüge innerhalb des Hauses verschoben wird; der Politische Direktor verliert an Einfluss, was unter erfahrenen Diplomaten für Raunen sorgt. Die Leitung des Hauses betont jedoch, dass die Reform notwendig sei, um auf geopolitische Veränderungen reagieren und den deutschen Diplomatischen Dienst fit für neue Herausforderungen zu machen. Nach Recherchen taz.de und zeit.de gibt es abseits der internen IT-Umstellungen eine neue, zusammengefasste Amerika-Abteilung und verschobene Länderzuständigkeiten, die strategisch begründet werden, aber auch intern für Unmut sorgen. In aktuellen Zeitungsbeiträgen werden insbesondere die Kritik an der Zentrale-erfahrenen Führung und der Stress für das Personal in den Vordergrund gestellt, aber auch die Chance auf Modernisierung betont.