Mehr Durchblick am Honigregal: Neue EU-Kennzeichnungspflicht startet

Der flüchtige Blick aufs Honigglas bringt bislang meist wenig Erleuchtung: Viel zu oft stand nur ein nebulöses 'EU- und Nicht-EU-Länder' auf dem Etikett. Das ändert sich jetzt. Ab 14. Juni heißt es endlich Klartext zu Ursprungsländern und ihren jeweiligen Anteilen – und zwar vorne drauf. Verbraucherinnen und Verbraucher werden damit, vielleicht zum ersten Mal, wirklich mit offenen Augen wählen können.

heute 17:51 Uhr | 1 mal gelesen

Mal ehrlich: Wenn man vor dem Honigregal steht, hat bisher kaum jemand so richtig gewusst, was im Glas steckt. Torsten Ellmann vom Deutschen Imkerbund bringt es nüchtern auf den Punkt – wer kauft, sollte wissen, woher der Honig wirklich stammt, und genau das soll die neue Regelung leisten. Vor allem weil Importhonig, etwa aus China, immer wieder für Diskussionen sorgt (Stichwort: Qualität und Vertrauen). Jetzt muss bei jedem Mischhonig genau aufgeschlüsselt werden, wieviel aus welchem Land kommt – und das vorne drauf, nicht klein gedruckt auf der Rückseite. Das sorgt endlich für mehr Rückverfolgbarkeit und gibt ein bisschen Kontrolle in die Hand der Konsumenten. Klar, es wird eine Übergangszeit geben – die alten Gläser bleiben noch eine Weile in den Läden. Aber der Wandel ist eingeläutet. Ein bisschen so wie bei guter Musik: Es lohnt sich, genauer hinzuhören. Und auch beim Honig lernt man dabei einiges über die Vielfalt – je nachdem, wo die Bienen gerade unterwegs waren, schmeckt das Ergebnis anders und überrascht. Der echte, naturbelassene Honig ist übrigens immer noch ein Genuss, der sich von Jahr zu Jahr neu erfindet.

Die jüngsten EU-Regeln bringen verbesserte Transparenz bei Mischhonigen: Die Hersteller müssen künftig klar und präzise jedes Ursprungsland sowie dessen prozentualen Anteil auf dem Vordereetikett etc. angeben. Experten und Verbraucherverbände begrüßen das Vorhaben, weil Verbraucher zum ersten Mal eine echte Orientierungshilfe bekommen und insbesondere Importware aus Drittstaaten stärker ins Bewusstsein rückt. Laut aktuellen Medienberichten stand Honig aus China und Südamerika zuletzt häufiger wegen gestreckter oder minderwertiger Produkte in der Kritik – mit der Reform soll auch die Rückverfolgbarkeit verbessert und Verbrauchertäuschung erschwert werden. Die Umsetzung der neuen Vorschriften reiht sich ein in eine breitere Offensive der EU gegen Lebensmittelbetrug. Während etliche Verbraucherschützer die Änderungen als überfällig einstufen, fürchten große Importeure kompliziertere Logistik und Kostensteigerungen.

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