Kinderbetreuung im Kramerwirt Unken: Altbau mit neuer Aufgabe

Im Herzen von Unken erhält der einstige Kramerwirt frischen Wind: Die Gemeinde baut ihre Kinderbetreuung seit einigen Jahren im altehrwürdigen Gemäuer aus. Zwei Gruppen für die Kleinsten haben dort ihr Zuhause gefunden. Das ganze Erdgeschoss ist mittlerweile den Kindern vorbehalten.

heute 16:55 Uhr | 2 mal gelesen

16. März, Frühling wirkt nur dezent, aber die Stimmung vor dem alten Kramerwirt ist beinahe festlich. Landesrätin Marlene Svazek steht zwischen dicken Mauern, riecht vermutlich den Geruch jahrhundertealter Steine und spricht über das Zusammenspiel von Tradition, Gegenwart und Zukunft. Der Kramerwirt – ein Brocken Geschichte seit 1598, jetzt eine Mischung aus Generationenleben, Gemeindeprojekten und quirligem Kinderlachen. Nach dem Komplettumbau 2009 durch Salzburg Wohnbau bietet das Haus heute Wohnungen im Alt- und Neubau, und seit 2021 wird das Erdgeschoß schrittweise zum Refugium für die Kleinen. Erst eine Gruppe, dann – nach komplizierten Anpassungsarbeiten – noch eine zweite, samt besonderer Herausforderungen: Schräge Wände, eigenwillige Türen, schmale Flure. Architekt Christoph Piffer bringt's pragmatisch auf den Punkt: Viel Fingerspitzengefühl war nötig, um historisches Flair kindersicher und modern zugleich zu interpretieren. Marlene Svazek sieht im Kramerwirt ein Paradebeispiel, wie Dinge zusammenfinden: Vergangenheit und Zukunft, Kindergeschrei und alte Balken. Bürgermeister Juritsch geht ins Detail – auch für das Dorf ist die Erweiterung ein Gewinn, gerade weil man Bestehendes klug umnutzt statt abreißt und neu baut. Ortskernbelebung ist plötzlich nicht mehr nur ein Wort, sondern passiert beim Mittagessengeschirr, das hinter denkmalgeschützten Fassaden klappert. Der Neubauwahn? Hier: Pause. Die Kinderbetreuung – komplett barrierefrei – verwächst mit den Wohnungen im gleichen Haus und bringt Leben mitten ins Ortszentrum zurück. Thomas Maierhofer und Georg Grundbichler von Salzburg Wohnbau heben die Vorteile hervor: Kosten sparen, Substanz erhalten, Infrastruktur im Handumdrehen schaffen – und alles ohne die Seele des Orts zu verlieren.

Das eingespielte Miteinander aus Kommunalpolitik, Denkmalschutz und Wohnbauträgern zeigt in Unken, dass moderne Kinderbetreuung nicht zwangsläufig auf der grünen Wiese entsteht. Vielmehr gelingt es hier, jahrhundertealte Architektur so zu verwandeln, dass sie Familien und Kindern zugutekommt. Gerade angesichts der zunehmenden Urbanisierung und der Diskussion um die Zukunft ländlicher Zentren sendet das Unkener Beispiel ein klares Signal aus: Bestehende Strukturen kreativ nutzen, statt Ressourcen zu verbrauchen. Auch vor dem Hintergrund steigender Baupreise und des Mangels an leistbarer Wohn- und Betreuungsfläche gewinnt diese Herangehensweise an Gewicht – in Unken ist sie lebendige Realität. Nach aktueller Recherche zeigen Artikel aus den letzten 48 Stunden, dass in mehreren Regionen Österreichs und Deutschlands die Nutzung alter Bausubstanz für soziale Möglichkeiten wie Kinderbetreuung und Treffpunkte immer mehr zum Trend wird. Themen wie Erhalt der Dorfkerne, Sanierung im Bestand und flexible, familienfreundliche Nutzung bestehender Immobilien sind aktuell sehr präsent – und stoßen beinahe überall auf große Zustimmung und Nachahmerpotenzial.

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