Breitband-Ausbau 2026: Deutschland gerät bei Glasfaser weiter unter Modernisierungsdruck

Stuttgart – DSLWEB hat seinen kritischen Blick auf den Stand des Breitbandausbaus 2026 geworfen. Im Mittelpunkt: Politischer Reformstau und der wachsende Handlungsdruck aus Brüssel in Sachen Glasfaser.

heute 10:00 Uhr | 5 mal gelesen

Eigentlich hing der Anstoß zum Turbo-Ausbau der Internet-Infrastruktur – Stichwort Glasfaser-für-alle – schon länger wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der deutschen Politik. Mit dem europäischen Gigabit Infrastructure Act ist der Zug abgefahren: Was die EU 2024 mit ein paar Verordnungen startete, ist seit Ende 2025 kompromissloses Programm. Vor allem schnellere Genehmigungen, verpflichtende Glasfaser in neuen Gebäuden und gemeinsame Nutzung von Infrastruktur werden plötzlich zur Messlatte – Europa will Gigabit bis 2030. Doch Deutschland? Erst war da die geplatzte Ampel, dann musste die neue GroKo ran. Zur Rettung kam das neue Digitalministerium, das im Sommer 2025 immerhin das TKG-Änderungsgesetz vorlegte und den Netzausbau erstmal mit ordentlich öffentlichem Interesse versieht. Interessant ist, wie plötzlich Dinge Tempo aufnehmen: Noch im Juli präsentiert das Ministerium erste Pläne zur nächsten TKG-Reform, die für 2026 weitere Beschleunigungen bringen soll. Mehrfamilienhäuser, die bislang oft als Nadelöhr galten, sollen durch Ausbaurechte schneller angebunden werden – rein durch Anzeigepflichten. Klingt nach Fortschritt, aber Papier ist bekanntlich geduldig. Ein Streitpunkt bleibt die Abschaltung der alten Kupfernetze. Im Januar 2026 stellte die Bundesnetzagentur ihre Vorstellungen zur Umstellung auf Glasfaser vor: Nicht mehr nur die Telekom darf das Aus für DSL ankündigen, sondern jeder Anbieter, sobald 80 Prozent einer Region FTTH haben. Das wird röhren – aber nicht alle werden glücklich sein, zum Beispiel die großen Verbände. Zusätzlich zur lokalen Planung samt dreijährigem Vorlauf verlangt die EU jetzt nationale Migrationspläne Richtung Glasfaser bis spätestens 2029. Spätestens zwischen 2030 und 2035 soll das Kupfer endgültig rausfliegen. Im Hintergrund bahnt die EU unterdessen mit dem Digital Networks Act nicht nur für mehr Infrastruktur, sondern auch für grenzüberschreitende Mobilfunkregeln, gestärkte Cybersecurity und weniger Bürokratie den Weg – der große Coup, ein "European Champion" (also fusionsfreudige Telekom-Riesen) ist jedoch bislang außen vor. Doch das Thema ist nicht abgehakt, sondern Teil kommender Wettbewerbsreformen. Was bleibt? Der Markt ist längst in Bewegung und die zentralen Fragen – von strategischen Zusammenschlüssen bis hin zu neuen Technologiestandards – tauchen schneller auf, als neue Baustellen gefüllt sind. Der vollständige Report, mit allen Zahlen, Analysen und Detailfragen, findet sich auf der DSLWEB-Seite. Seit 2007 begleiten die Autoren kritisch den deutschen Breitbandmarkt und sorgen für Durchblick im Tarif- und Technikdschungel.

Die Kernbotschaft: Nachdem die EU mit dem Gigabit Infrastructure Act neuen Druck aufgebaut hat, kommt die deutsche Digitalpolitik endlich in Fahrt. Mit beschleunigten Genehmigungen, verpflichtendem Glasfaseranschluss in Neubauten und einem neuen Digitalministerium wurden entscheidende Schritte eingeleitet, doch Unsicherheiten bleiben – insbesondere rund um die Abschaltung der alten Kupfernetze und die Open-Access-Debatte. Spätestens 2029 muss Deutschland einen verbindlichen Plan zur vollständigen Migration vorlegen, ab 2030 soll Kupfer Geschichte sein; die Branche aber diskutiert weiter über Details, Wettbewerbsregeln und die Frage, wie viel Innovation der Markt noch verträgt, während die EU parallel an einer Harmonisierung des digitalen Binnenmarkts arbeitet. Neue Entwicklungen aus den letzten 48 Stunden (recherchiert auf Nachrichtenportalen – siehe unten) zeigen: Das Zögern der Politik bei der Umsetzung der Glasfaser-Vorgaben sorgt für Kritik, während Marktführer wie Telekom und Vodafone immer mehr ihre Ausbaustrategien auf Kooperationen und rentable Regionen zuschneiden. Gleichzeitig steigen die Sorgen, dass ländliche Gebiete abgehängt werden könnten, da Investoren in Zeiten hoher Zinsen und stagnierender Haushaltsbudgets weniger risikofreudig sind. Einige Stimmen fordern einen europäischen Schulterschluss, um bei der digitalen Infrastruktur der globalen Konkurrenz standzuhalten, und warnen, dass Deutschland seine Vorbildfunktion bei der digitalen Modernisierung zu verlieren droht.

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